05.10 Podium Silesia. Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens. Vortrag: "Oberschlesische Märtyrer der Nazi-Zeit"

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Geschrieben von Ciochon
21. September 2021
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Vortrag: "Oberschlesische Märtyrer der Nazi-Zeit" von Prälat Prof. Dr. Helmut Moll.

Papst Johannes Paul II. hat 1994 den Anstoß gegeben, eine alle Kontinente umfassende Martyrergeschichte des 20. Jahrhunderts auf den Weg zu bringen. Das deutsche Martyrologium versteht sich als Teil dieses großen Gesamtprojekts. In Zusammenarbeit mit den Bistümern und den Ordensgemeinschaften haben 170 Fachleute die Lebensbilder von etwa 1000 katholischen Glaubenszeugen/innen erarbeitet. Auch nicht-katholische Glaubenszeugen/ innen wurden namentlich erwähnt, wenn sie in ökumenischen Gruppen tätig waren.

Von  den Blutzeugen unter Hitlers Terror ragen die schlesischen Glaubenszeugen/innen heraus, nicht nur wegen ihrer hohen Zahl, sondern wegen ihrer Glaubensstärke. Das zeigt sich vor allem in Oberschlesien - also in den Städten Gleiwitz, Oppeln, Leobschütz, Kattowitz, Königshütte, Cosel und Beuthen. Priester, Ordensleute beiderlei Geschlechts und mutige Laien waren bereit, sich der Ideologie des Nationalsozialismus entgegenzustemmen, um den Preis ihres Lebens.

In Wort und Bild werden diese Vorbilder im Glauben am 5. Oktober 2021 (Verschoben vom 5. Januar) vorgestellt und gewürdigt. Die Veranstaltung findet um 18.30Uhr im Haus Oberschlesien statt.

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Biogramm:

Prälat Prof. Dr. Helmut Moll studierte Kath. Theologie und Geschichte in Bonn, Tübingen, Rom, Regensburg und Münster, Promotion 1973 bei Prof. Dr. Joseph Ratzinger in Regensburg, von 1984-1995 im Dienst der Römischen Kurie, von 1993 bis 2004 Konsultor an der römischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, von 1998 bis 2019 Beauftragter des Erzbistums Köln für Heiligsprechungsverfahren.  Seit 1995 Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Prof. an der Wissenschaftlichen Hochschule Weilheim.





22.9. Podium Silesia. Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens. Diskussionsabend: „Die Ausrufung des Kriegsrechts in Polen und die Pazifizierung der Zeche Wujek in Kattowitz“

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Geschrieben von Ciochon
03. September 2021
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Am Mittwoch, dem 22. September, um 18:30 Uhr laden wir Sie herzlich zu unserem Diskussionsabend, zu dem Thema "Die Ausrufung des Kriegsrechts in Polen und die Pazifizierung der Zeche Wujek in Kattowitz" ein.

Nach einer knappen historischen Einführung in die Thematik durch den Kulturreferenten für Oberschlesien, Dr. David Skrabania, folgen die Vorträge von Dr. Marek Lyszczyna, Mitarbeiter beim Schlesischen Zentrum für Freiheit und Solidarität in Kattowitz sowie durch Stanisław Płatek, Streikführer auf dem Bergwerk „Wujek“ im Dezember 1981. Anschließend besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Die Veranstaltung wird gedolmetscht.



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Foto: M. Janicki

In Kattowitz, an einem Ort, den heute ein Denkmal in Gestalt eines besonders symbolträchtigen Kreuzes überragt, kam es am 16. Dezember 1981 zur blutigsten aller Niederschlagungen während des Kriegszustandes. Gegen Bergleute, die als Zeichen ihres Widerstandes und aus Solidarität mit ihren verhafteten Kumpels einen Streik ausriefen, wurden Panzer und Kampfwagen der Armee und Sondereinheiten der Miliz mobilisiert. Die Streikenden sollten eingeschüchtert und die Ausweitung der Proteste auf weitere Betriebe und Bergwerke in Oberschlesien verhindert werden. Denn gerade hier, in der Region, die von den kommunistischen Machthabern als die Vorzeige-Region betrachtet wurde, erwies sich der Widerstand als besonders hartnäckig. Um ihre Hegemonie über Staat und Gesellschaft zu bestätigen, entschied sich die kommunistische Partei zum wiederholten Male in der Nachkriegsgeschichte Polens zur Gewaltanwendung. Bereits am 15. Dezember 1981 wurden vier Bergleute vor dem Bergwerk „Manifest Lipcowy“ in Bad Königsdorff-Jastrzemb verletzt, als das Feuer gegen sie eröffnet wurde. Zwei Tage später wurde die „Befreiung“ des Kattowitzer Bergwerkes „Wujek“ eingeleitet. Unter Einsatz von Wasser- und Gasgranatwerfern wurde mit dem Sturmangriff auf das Bergwerk begonnen. Panzer und Kampfwagen von Armee und Miliz rissen die Umzäunungen nieder und gelangten auf das Werksgelände. Schließlich kam noch ein Kommando der Sondermiliz zum Einsatz, das den Widerstand der Streikenden mit Hilfe von Maschinenpistolen brach. Die Milizionäre schossen weder in die Luft, noch gaben sie Salutschüsse ab. Sie töteten neun Bergleute. Der jüngste von ihnen war 19 Jahre alt.

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Foto: ŚCWiS

Heute ist das majestätische Denkmal für die gefallenen Bergleute des Steinkohlenbergwerkes „Wujek“ nicht nur ein gesamtpolnisches Symbol des Widerstandes gegen die Ausrufung des Kriegsrechts, sondern vor allem ein Zeichen der Erinnerung an die beschriebenen tragischen Ereignisse.

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Foto: ŚCWiS

Aus Anlass des 40. Jahrestages der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen und der Niederschlagung des Streiks auf dem Bergwerk „Wujek“ und an anderen Orten, insbesondere in Oberschlesien, erinnern wir an die Ereignisse und das Unrechtsregime in Polen. Auch für Hunderttausende Oberschlesier, die in vor allem in der zweiten Hälfte der 1980er Jahren das Land verließen und als Aussiedler in Deutschland, zumal in Nordrhein-Westfalen, eine neue Heimat fanden, waren die Ereignisse vom Dezember 1981 mit ausschlaggebend, für die Entscheidung, Polen verlassen zu wollen – sie hatten mit dem kommunistischen System endgültig abgeschlossen.



Podiumsteilnehmer:

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Dr. Marek Lyszczyna, Leiter der Sachabteilung beim Schlesischen Zentrum für Freiheit und Solidarität (Śląskie Centrum Wolności i Solidarności). Er ist Absolvent des Studiengangs Organisation der Filmproduktion an der Leon-Schiller-Hochschule für Film, Fernsehen und Theater in Łódź und des Studiengangs MISH an der Schlesischen Universität in Kattowitz. Stipendiat an der Université IV Sorbonne in Paris und an der Sociéte Historique et Littetaire Polonaise. Hochschulabschluss in Kulturmanagement an der Warschauer Wirtschaftshochschule, Buchautor: „Notatki o polskim kinie kontestacji“ (Notizen zum polnischen Widerstandskino), das sich mit obrigkeitskritischen Filmen aus der Zeit des Kommunismus beschäftigt, und „Jean Rollin. Migawki z historii francuskiej grozy“ (Jean Rollin. Schnappschüsse aus der Geschichte des französischen Horrors). Mitautor des Dokumentarfilms „Tablica Pani Ani“ (Anias Tafel), der Anna Walentynowicz, einer legendären Oppositionsaktivistin im kommunistischen Polen, gewidmet ist. Autor wissenschaftlicher Artikel über französische Filme (z.B. in „Europejskie Kino Gatunków“ Bd.2), über hundert Rezensionen, Interviews und populärwissenschaftliche Texte, die u.a. in der „Gazeta Wyborcza“, in „Silesia“ „artPAPIERe“ und „Opcje“ veröffentlicht wurden.


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Stanisław Płatek, einer der Anführer des Streiks im Dezember 1981 im Kohlebergwerk „Wujek“. Seit 1973 arbeitete er im Bergwerk, im September 1980 beteiligte er sich an der Schaffung der Strukturen des Unabhängigen Selbstverwalteten Gewerkschaftsbundes „Solidarność“, in denen er die Position des Sekretärs des Prüfungsausschusses innehatte. Nach der Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 führte Stanisław Płatek den Streik zur Verteidigung des inhaftierten Vorsitzenden des Betriebsrats der „Solidarität“, Jan Ludwiczak, an. Am 16. Dezember wurde er bei der Befriedung des Bergwerks verwundet und anschließend von den kommunistischen Behörden zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, aus dem er 1983 aufgrund einer Amnestie entlassen wurde. Gründer und Vorstandsmitglied des Sozialkomitees zum Gedenken an die am 16. Dezember 1981 ermordeten Bergleute der Zeche „Wujek“ und der Gewerkschaft Politischer Gefangener im Kriegsrechts. 2007 Verleihung des Offizierskreuzes des Ordens der Polonia Restituta, Ehrenbürger von Kattowitz.


Moderator:

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Dr. David Skrabania
Historiker, Kulturreferent für Oberschlesien am Oberschlesischen
Landesmuseum





15.9. Podium Silesia. Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens. Vortrag von Dr. Rafał Biskup

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Geschrieben von Ciochon
01. September 2021
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Dialekt in Schlesien 1830-1945. Persönlichkeiten – Literatur – Identität

Der Vortrag setzt sich zum Ziel, die Rolle des schlesischen Dialektes in der regionalen Literatur und Publizistik darzustellen und zu beleuchten. Die Zeitspanne erstreckt sich ab dem Jahr 1830, als Karl von Holtei seine Schlesischen Gedichte veröffentlichte, bis zum Jahr 1945.
Die Dialektdichtung war eine lokale Heimatdichtung, die sich vor allem idealisierten Bildern der Region zuwandte. In den meisten Fällen stand der Gebrauch des Dialektes an sich an erster Stelle. Die literarisch anspruchsvollen Werke blieben während der Jahrzehnte eher die Ausnahme (wie etwa das „erste schlesische Epos“ Leute-Not von Philo vom Walde).

Wenn auch die Inhalte meist volkstümlich-heimatlich gewesen waren, so war es mit der Dialektdichtung selbst vollkommen anders: diese fügte sich voll und ganz in den modernen Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts ein. Die Schriftsteller, Verleger und Aktivisten bedienten sich moderner Medien, um den Dialekt zu ‚medialisieren‘ und somit zur Bildung regionaler Identität einen Beitrag zu leisten.

Rafał Im Riesengebirge

KURZBIOGRAMM

Dr. Rafał Biskup

2002-2007 Studium der Germanistik am Institut für Germanistik der Universität Wrocław. 2004-2007 Leiter des Studentischen Arbeitskreises der Germanisten an der Universität Wrocław. In dieser Zeit erschienen die ersten zwei Nummern der Zeitschrift der Germanistik-Studenten „Elixiere” (Redaktionsmitglied). März–August 2006 Stipendiat des Kieler Rotary Klubs, Studium an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 2007-2012 – Doktorand im Doktoranden-Seminar der Philologischen Fakultät der Universität Wrocław. August – Dezember 2009 Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Berlin. Februar 2012 Verteidigung der Dissertation: „Der schlesische Dialekt in der regionalen deutschen Literatur und Publizistik (1830-1945). Medialisierung und Identität” (mit Auszeichnung). In den Jahren 2010-2011 Redaktionsleiter, seit 2012 Betreuer der Zeitschrift „Elixiere”. Seit 2012 wissenschaftlich-didaktischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Deutsche Literatur bis 1848.


Der Vortrag findet am 15. September 2021 (Mi.) um 18:30 Uhr im Haus Oberschlesien statt.


Podium Silesia. Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens. Vortrag von Dr. habil. Grzegorz Bębnik

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Geschrieben von Ciochon
17. August 2021
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"Sonderfahndungsbuch Polen. Verfolgungsinstrument der NS-Politik"

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Im antiken Rom bedeutete die Proskription ursprünglich die Zwangsversteigerung des Eigentums eines Schuldners. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs hatte sich die Bedeutung dieses Begriffs jedoch erheblich weiterentwickelt. Der Autor zeigt in seinem Buch und anderen Publikationen die Entwicklung der Proskriptionslisten in den deutschen Ländern bis zur NS-Zeit und dann den Einsatz dieser Verfolgungsinstrumente für die Zwecke der Besatzungspolitik. Funktionäre des Sicherheitsdienstes des Dritten Reiches erstellten nämlich im Voraus eine alphabetische Liste mit Namen von Polen, die für die künftige Besatzungsmacht gefährlich waren und schnell verhaftet und liquidiert werden sollten. Diese Liste ist heute in Form des „Sonderfahndungsbuches Polen“ überliefert und bekannt, aber wir wissen, dass es nicht die erste Liste dieser Art war. Im September 1939 verwendeten die in Polen tätigen Einsatzgruppen eine Liste, die heute als verloren gilt, die sog. Sonderfahndungsliste Polen. Erst auf dieser Grundlage wurde, und zwar nach notwendigen Ergänzungen, im März 1940 das Sonderfahndungsbuch herausgegeben.

Wie wurden die deutschen Proskriptionslisten erstellt? Wer sollte in die Liste aufgenommen werden? In welchem Umfang wurden sie anschließend von den Sicherheitsdiensten genutzt? Dr. Bębnik sucht in seinen Forschungen nach Antworten auf diese Fragen, indem er nicht nur das erhaltene „Sonderfahndungsbuch Polen“ analysiert, sondern es auch mit analogen Publikationen vergleicht, die für die Eroberung der westeuropäischen Länder vorbereitet wurden.


„Grzegorz Bębnik stellt annähernd die Entstehung und Chronologie der heute bekannten Fassung des »Sonderfahndungsbuches Polen« dar. Diese Überprüfung und die solide begründeten Schlussfolgerungen bezüglich der Zeit, des Ortes und der Urheberschaft des Buches werden in der polnischen Geschichtsschreibung von nun an sicherlich als Standard zitiert werden. Die Monographie wird es ermöglichen, die Informationen über die deutschen Fahndungsmittel zu ordnen, die in den bisherigen Studien, wie sich herausstellt, nicht nur ungenau, sondern in vielen Fällen auch irreführend waren.“ 

Aus der Rezension von Prof. Ryszard Kaczmarek



Grzegorz Bebnik

Grzegorz Bębnik (geb. 1970), Dr. habil., Historiker, Soziologe und Politikwissenschaftler, Mitarbeiter des Historischen Forschungsbüros des Instituts des Nationalen Gedenkens in Kattowitz. Autor von Publikationen zur Geschichte Polens und Oberschlesiens im 19. und 20. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Zweiten Weltkriegs, darunter die Monographien: „Proskription in einer neuen Fassung. Deutsche Fahndungslisten am Vorabend und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs“ (Warschau 2020), „Falken des Hauptmanns Ebbinghaus. Sonderformation Ebbinghaus in den Kampfhandlungen in Oberschlesien 1939“ (Krakau-Kattowitz 2015), „September 1939 in Kattowitz“ (Kattowitz 2012), sowie zahlreichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Artikeln. Kürzlich veröffentlichte er zusammen mit Sebastian Rosenbaum eine zweisprachige polnisch-französische Sammlung von Dokumenten der französischen Besatzungstruppen in Oberschlesien aus der Zeit des Zweiten Polnischen Aufstands von 1920.


Der Vortrag findet am 1. September um 18:30Uhr im Haus Oberschlesien statt und wird live auf unserem  Youtube Kanal übertragen.




Bericht zur Tagung „Opa lebt in Schlesien. Identitäten zwischen Deutschland und Polen. Ein Seminar für Aussiedler, Spätaussiedler sowie alle Interessierten mit (familiären) Bezügen nach (Ober-)Schlesien"

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Geschrieben von Skrabania
31. Juli 2021
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Am 24. und 25. Juli 2021 fand in Königswinter eine Tagung des Hauses Schlesien in Kooperation mit dem Kulturreferenten für Oberschlesien, Dr. David Skrabania, statt. Geladen waren Wissenschaftler sowie Schriftsteller, die sich in ihrer Tätigkeit grenzübergreifend mit der Thematik der Aussiedler aus Oberschlesien beschäftigen.

Wie die Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums des Haus Schlesien, Nicola Remig, in ihrer Begrüßungsrede anmerkte, ging es in der Veranstaltung um das persönliche Schicksal derjenigen, die ihre oberschlesische Heimat nach 1950 in Richtung Bundesrepublik verließen. Dr. Skrabania merkte in seinem Vorwort an, dass die Aussiedler in der deutschen Gesellschaft sozusagen „abgetaucht“ waren. Dies habe unter anderem an der Unklarheit über die eigene Identität gelegen. Aufgabe sei es, die Aussiedler aus Oberschlesien und deren Nachkommen, die ein wichtiger Teil der bundesdeutschen Gesellschaft sind, in den Fokus zu rücken und ihnen ein wenig Anerkennung zuteilkommen zu lassen.

Adam Wojtala, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Haus Schlesien, referierte in seinem Vortrag „Oberschlesien – die konfliktreiche Geschichte einer Grenzregion im Spannungsfeld zwischen Deutschland und Polen“ unter anderem über die vielfältige Sprachsituation in Oberschlesien, welche von der jeweiligen Politik ihrer Zeit gesteuert wurde, sowie über die historische Entwicklung der Region.

„Vertriebene, Aussiedler, Spätaussiedler, Aussiedler 2.0 in Deutschland – zwischen Identitätskrise und Integration?“ lautete der Vortrag von Dr. David Skrabania, in dem er die politische und gesellschaftliche Lage der Aussiedler auf beiden Seiten der Grenze schilderte. Er untermauerte seine Ausführungen mit Zitaten eigens durchgeführter Zeitzeugeninterviews aus seinem im kommenden Jahr erscheinenden Buch zur Migrationsgeschichte Oberschlesiens. Die eigene deutsche Identität, Familienzusammenführung sowie der Wunsch nach wirtschaftlichem Aufstieg waren neben der Frustration über das kommunistische System die wichtigsten Beweggründe für die Ausreise, wobei die Motivbündel je nach Zeitraum Unterschiede aufwiesen. Insbesondere im Zusammenhang mit der Verhängung des Kriegsrechts in der Volksrepublik Polen im Dezember 1981, verspürten die Menschen den Drang nach Freiheit. In Deutschland angekommen, war man nicht nur mit Identitäts- und Integrationsproblemen, sondern auch mit Konkurrenzdruck untereinander konfrontiert.

Zum Abschluss des ersten Seminartages zeigte der Schriftsteller und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt, Dr. Matthias Kneip, in seinem Vortrag „Als Deutsche in Oberschlesien nach 1945. Auf den Spuren meiner Familiengeschichte“ auf, wie das Zusammenwirken der polnischen und deutschen Verhältnisse seine Familie prägte und welchen gesellschaftlichen Veränderungen die Region in der Zeit nach der politischen Wende 1989/90 unterworfen war.

Der Berliner Matthias Nawrat, selbst Ende der 1980er Jahre als Aussiedlerkind aus Oppeln in die Bundesrepublik gekommen, eröffnete den zweiten Tag mit einer Lesung aus seinem Erfolgsroman „Die vielen Tode unseres Opa Jurek“. In dem Buch berichten Enkel über das Leben ihres Großvaters zwischen dessen Internierung in Ausschwitz, inmitten des Warschauer Ghettoaufstands und später in Oppeln. Im Zentrum seiner Kommentierung stand die literarische Verarbeitung der eigenen Familiengeschichte als Angehöriger der zweiten Spätaussiedlergeneration.

Dr. Andrzej Kaluza vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt befasste sich bei seinem Vortrag mit „Besuchen und Paketen: Familienkontakten zwischen Deutschland und Polen sowie der polnischen Politik gegenüber der Deutschen Minderheit bis 1989.“ Bis 1970 gab es keine diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Der einzige Kontakt der Oberschlesier mit Deutschland war mit Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes möglich und verlief über den Postweg. Reguläre Pakete und Besuche aus der Bundesrepublik waren erst mit der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags möglich.

Im Abschlussblock „‘Opa hat es auch nicht leicht‘ – Die Problematik der Oberschlesier und der Deutschen Minderheit in Oberschlesien im Lichte der jüngsten Entwicklungen in der polnischen Gesellschaft und Politik“ stellte Lucjan Dzumla vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz und Oppeln die geschichtliche Entwicklung sowie die aktuelle Situation und Tätigkeit der Deutschen Minderheit in Oberschlesien vor. Es wurde deutlich, dass die deutsche Minderheit in Oberschlesien einerseits selbstbewusst ihren Weg geht, andererseits sich aber auch vor Probleme gestellt sieht, die vor allem der demografische Wandel mit sich bringt.

Die gut besuchte Veranstaltung gab nicht nur die Möglichkeit, einen Einblick in die vielfältigen Themen um den Komplex der Geschichte der Aussiedler aus Polen zu bekommen, sondern sich auch in anschließenden Diskussionsrunden auszutauschen.

Christoph Labaj/David Skrabania

DSC 1698Adam Wojtala (Haus Schlesien, Königswinter)

DSC 1699Dr. David Skrabania (Kulturreferent für Oberschlesien, Ratingen)

DSC 1715Dr. Matthias Kneip (Deutsches Polen-Institut, Darmstadt)

DSC 1722Matthias Nawrat (Freier Autor, Berlin)

DSC 1739Dr. Andrzej Kaluza (Deutsches Polen-Institut, Darmstadt)

DSC 1750Lucjan Dzumla (DIrektor des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, Gleiwitz/Oppeln)

FÜHRUNGEN

Öffentliche Sonntagsführung durch die Sonderausstellung "Bewegte Leben" mit Adventscafé
Sonntag, 5. Dezember, 15:00 Uhr
Oberschlesisches Landesmuseum


VERANSTALTUNGEN

Horst Bienek: Vortrag, Film, Publikumsgespräch
Dienstag, 7. Dezember, 18:30 Uhr
Oberschlesisches Landesmuseum

Samstags im Museum
Samstag, 18. Dezember, 14-16 Uhr
Oberschlesisches Landesmuseum

KONTAKT

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)
Telefon:
+49(0)2102-9650
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