Podium Silesia. Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens. Vortrag von Dr. Rafał Biskup

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Geschrieben von Skrabania
22. Dezember 2020
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Von einem, der nie ankam… 100 Jahre Hans Lipinsky-Gottersdorf

Am 5. Februar 2020 jährte sich zum einhundertsten Male der Geburtstag des ‘oberschlesischen Tolstois’ Hans Lipinsky-Gottersdorf, eines Schriftstellers, Publizisten, Kulturvermittlers.
In einem Interview äußerte sich einst Fritz Wandel, ein Freund Lipinskys, folgend über den Prosna-Preußen-Autor: „Herr Lipinsky war ein in der Tradition seines Landes verwurzelter Edelmann mit Verbindungen zum Ursprünglichen. Und seine Arbeit war nicht nur eine literarische Arbeit, sondern – und dass habe ich ihm immer gesagt – dass er im Auftrag arbeite. Dass er eine Aufgabe habe, nämlich die gefährdete und vom Untergang bedrohte Tradition seines Landes noch einmal aufleben zu lassen und einen Rahmen zu schaffen, in dem diese – wenn auch nur in geistiger Form – weiterleben konnte.“
Der Region Oberschlesien setzte er mit seinem Schaffen ein literarisches Denkmal. In dem Essay „Heimat an der Prosna“ schrieb er: „Das preußische Oberschlesien war eine sonderbare, in mancher Hinsicht einzigartige Provinz. Ich will damit nicht sagen, daß sie dies über jede andere Provinz erhob. Ein jeder Landstrich hat seine Einmaligkeit, es kommt nur darauf an, sie herauszufinden. (…) Eine der Besonderheiten Oberschlesiens bestand darin, daß sich hier rechts der Oder eine autochthone, völkisch nur schwer einzuordnende Bevölkerung bis in die nationalstaatliche Gegenwart hinein behauptet hatte. Ihre wasserpolakische Mischsprache war deutschen und polnischen Ohren ein Greuel, aber durch anderthalb Jahrhunderte war Generationen von jungen Männern in preußischen Regimentern ein stabiles Selbstbewußtsein anerzogen worden.“
Ein Freund Heinrich Bölls, Befürworter der deutsch-polnischen Annäherung bereits in den 1950er Jahren, Meister realistischer Schilderungen – und dazu ein bodenständiger und herzlicher Mensch. Monika Taubitz, Lipinskys Schriftstellerkollegin, erinnerte sich: „Hans Lipinsky war auch den weiter von ihm entfernten Kollegen ein guter Kamerad. Als ich einmal kurz vor meiner Lesung im Haus Schlesien erkrankte und ihn um Hilfe bittend anrief, fuhr er ohne langes Hin und Her dorthin. Zwar wohnte er nicht weit davon entfernt in einem Kölner Vorort. Doch kostete es ihn nahezu einen Tag, den er sonst an seiner Schreibmaschine verbracht hätte, immerhin mit einem Blick hinaus ins Grüne, dabei Wort um Wort aufs Papier bringend, um damit sich und den anderen eine Heimat zu erschreiben. Jenes Stück Land, über das er zu normalen Zeiten gegangen wäre, den Jahreszeiten entsprechend Säen und Ernten überwachend und selbst kräftig mit zupackend.“
Hans Lipinsky-Gottersdorf war ein unbequemer und kompromissloser Autor. Wie kaum ein anderer konnte er die Eigenart und das Wesen Oberschlesiens erfassen. Die „oberschlesische Wahrheit“ ergibt sich, schrieb er noch Ende 1990 in einem Brief an den SPIEGEL, „sobald man die deutschen und die polnischen Bemühungen um nationale Eindeutigkeiten gleichermaßen zum Teufel schickt.“ Diese Wahrheit zeigte er schonungslos in seinem Schaffen, in dem man weder Verklärung noch Nostalgie findet. Von seinem „ersten Lehrherrn“ erhielt er einst folgenden Ratschlag: „Es ist genug, wenn die Menschen sich gegenseitig mit Knüppeln und Lügen erschlagen wollen. Die Wahrheit ist zu schade. Darum schreibe bescheiden und getreu…“. Hans Lipinsky-Gottersdorf hielt sich Zeit seines Lebens daran.


Horst Bieneks Gleiwitzer Kindheit

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Geschrieben von Skrabania
07. Dezember 2020
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Heute vor 30 Jahren starb der in Gleiwitz/Oberschlesien geborene Schriftsteller und Dichter Horst Bienek im Alter von nur 60 Jahren. Zu Lebzeiten wurde er für sein literarisches Werk mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet und war auch Träger des Verdienstkreuzes 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. In vielen seiner Werke thematisierte er den Ort seiner Kindheit und den Verlust der Heimat, so in seiner Gleiwitzer Roman-Tetralogie. Dies geschah jedoch immer im Geiste der Völkerverständigung, Groll hegte er nicht. Heimat war für ihn ein Begriff, der an Menschen, Tradition und Sprache hing; Landschaften, Wälder und Flüsse reichten nicht aus. Die Rückkehr in die Heimat, in die nicht selten schmerzhaften Kindheitstage, vollzog er literarisch, und setzte damit der 1945 untergegangenen Welt seiner Heimatstadt ein dauerhaftes Denkmal.

An gegebenem Anlass präsentiert Ihnen das Kulturreferat für Oberschlesien einen Aufsatz zu „Horst Bieneks Gleiwitzer Kindheit“ aus der Feder von Prof. Dr. Daniel Pietrek vom Lehrstuhl für deutschsprachige Literatur am Institut für Literaturwissenschaft der Universität Oppeln. Prof. Dr. Daniel Pietrek studierte an den Universitäten in Oppeln und Berlin (Freie Universität) Germanistik. Seit 2001 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik der Universität Oppeln. 2004 promovierte er mit einer Arbeit über die Rezeption von Witold Gombrowiczs Dramen in den deutschsprachigen Ländern (Daniel Pietrek: „Szlachcica polskiego pojedynki cieniów”. Recepcja dramatów Witolda Gombrowicza w niemieckim obszarze językowym, Wrocław 2006, 362 Seiten). Prof. Daniel Pietrek erhielt zahlreiche Stipendien, forschte und lehrte an den Universitäten in Dresden, Berlin, Bochum, Hannover und Marburg. In den Jahren 2011 und 2012 sowie 2015 war er Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Als erster erschloss er den Nachlass Horst Bieneks und habilitierte 2013 zu dessen Werk. Seine Monografie über Horst Bienek erschien im Thelem Verlag in Dresden 2012 unter dem Titel: „‘Ich erschreibe mich selbst.‘ (Autor)biografisches Schreiben bei Horst Bienek”. Für dieses Buch erhielt er am 25. November 2014 den Horst-Bienek-Förderpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Sein wissenschaftliches Interesse gilt vor allem der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, schlesischer Literatur, und deutsch-polnischer Komparatistik.

Damian Pietrek

Prof. Dr. Daniel Pietrek wird am 7. Dezember 2021 im Rahmen von „Podium Silesia“ Gast im Haus Oberschlesien sein und einen Vortrag zu Horst Bieneks Gleiwitzer Kindheit halten.

Hier können Sie den Aufsatz herunterladen.

Podium Silesia. Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens. Vortrag von Dr. Jiří Neminář

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Geschrieben von Skrabania
03. Dezember 2020
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„Podium Silesia“ mal anders!

Der Kulturreferent für Oberschlesien präsentiert Ihnen den Vortrag „Das Hultschiner Ländchen. Ein soziokulturelles Laboratorium“ von Dr. Jiří Neminář, Historiker und Museumspädagoge am Museum des Hultschiner Ländchens (Muzeum Hlučínska) in Hultschin/Hlučín (Tschechien).

Das Hultschiner Ländchen ist selbst für die meisten Oberschlesier bis heute eine terra incognica. Zu Unrecht! Diese landschaftliche schöne Region im Süden des historischen Oberschlesiens, in der Mitte Europas, stellt geradezu ein Laboratorium des 20. Jahrhunderts dar: Mehrsprachigkeit, nationale Gegensätze, Grenzkampf, oberschlesische Traditionen.

Dr. Jiří Neminář führt sie durch das Museum des Hultschiner Ländchens und erzählt ihnen von der Geschichte der Region, die insbesondere im 20. Jahrhundert wechselhaft und dramatisch war.



Dokumentarfilm „Das nackte Leben. Deutsche Zivilisten in Lagern und Zwangsarbeit jenseits des Eisernen Vorhangs“

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Geschrieben von Skrabania
23. November 2020
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Das Kulturreferat für Oberschlesien bei der Stiftung Haus Oberschlesien freut sich sehr darüber, Ihnen den Dokumentarfilm „Das nackte Leben. Deutsche Zivilisten in Lagern und Zwangsarbeit jenseits des Eisernen Vorhangs“ von Ronald Urbanczyk präsentieren zu können.

Die Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands am Ende des Zweiten Weltkrieges hatte zur Folge, dass etwa 12 bis 14 Millionen Deutsche aus den deutschen Ostgebieten sowie den übrigen deutschen Siedlungsgebieten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa flüchten mussten oder von dort vertrieben wurden. Weit weniger bekannt ist, dass Hundertausende, ja weit über eine Million Deutsche in den Vertreibungsgebieten und in der Sowjetunion in Lagern interniert wurden und teilweise jahrelang Zwangsarbeit leisten mussten. Sie litten unter Hunger, Kälte, grassierenden Krankheiten, Willkür und Misshandlungen durch ihre Peiniger. Eine große Zahl bezahlte die Deportation in Lager mit dem Leben.

Waren die Todesfälle in den Lagern intendiert, war es also systematischer Mord (als Racheakt), oder handelt es sich um bedauerliche Einzelfälle bzw. war der Großteil der Toten den herrschenden Begleitumständen wie Seuchen oder Kälte geschuldet?

Das Schicksal deutscher Zivilisten in Nachkriegslagern blieb bis zur politischen Wende 1990 ein Tabu-Thema. In allen ehemaligen Ostblockstaaten, in denen es Lager gab, beginnt eine schrittweise Aufarbeitung.

 Zentrum Kopf-1

Oma kommt aus Schlesien – Die Erinnerungen der zweiten Generation

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Geschrieben von Skrabania
07. Oktober 2020
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Am 3. und 4. Oktober fand dieses Jahr wieder die beliebte Tagung "Oma kommt aus Schlesien" im HAUS SCHLESIEN in Königswinter-Heisterbacherrott statt, dieses Jahr aufgrund der Coronaeinschränkungen im kleineren Rahmen. 20 Teilnehmer aus verschiedenen Regionen Deutschlands (vom Rheinland bis Berlin) und vier Referenten sprachen über die Erfahrungen mit Flucht, Vertreibung und Aussiedlung im 20. Jahrhundert und darüber, wie die zweite und dritte Generation, die das Thema oft nur aus Erzählungen kannte – wenn denn in der Familie überhaupt darüber gesprochen wurde – die Erlebnisse ihrer Mütter, Väter und Großeltern verarbeitet.

Nach jedem Vortrag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit in Kleingruppen von sieben bis acht Teilnehmern die Inhalte des Vortrages zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen. Aufgrund der im Vergleich zum letzten Jahr kleineren Gruppen (damals war die Veranstaltung mit 36 Teilnehmern sofort ausgebucht und es musste eine Warteliste angelegt werden) entwickelten sich überaus interessante und offene Gespräche über Heimatverlust der Eltern bzw. Großeltern und die Ungewissheit, diese Heimat jemals wiederzusehen. Auch die Nachwirkungen der traumatisierenden Erlebnisse auf die Kinder und Kindeskinder sowie die Verdrängung des Schmerzes der Vertriebenen aus der Öffentlichkeit aufgrund der deutschen Kriegsschuld wurden thematisiert. Auch befassten sich die Gespräche mit der Frage, wie diese Erfahrungen bzw. ihre Nachwirkungen verarbeitet werden können, wenn die Eltern und Großeltern nicht mehr leben. Dazu können Literatur, das Aufschreiben des Erinnerten und die Vernetzung und Diskussion mit Menschen, die Ähnliches erlebten, dienen. Hier leisten Seminare wie dieses einen wichtigen Beitrag, weshalb es auch im kommenden Jahr wieder angeboten werden soll, um Menschen zusammenzubringen und ihnen in der geschützten Atmosphäre ein offenes Gespräch zu ermöglichen.

Auch die oberschlesischen Aussiedler der 1970er und 1980er Jahre hatten mit schweren Erlebnissen zu kämpfen, sei es noch in Polen, wo nach dem Krieg speziell in Oberschlesien das Sprechen der deutschen Sprache und des oberschlesischen Dialektes unterdrückt wurde, oder nach dem völligen Aufgeben des alten Lebens und dem Neuanfang mit nur zwei Koffern im Westen. Fehlende deutsche Sprachkenntnisse und ein polnischer Akzent erschwerten die Akzeptanz in der neuen Heimat und lösten bisweilen auch Identitätskrisen aus. Besonders Jugendliche entwickelten deshalb oft eine Abwehrhaltung.

Vor allem in NRW haben die oberschlesischen Aussiedler einen immensen demografischen und wirtschaftlichen Beitrag geleistet und außerdem die sterbenden katholischen Kirchengemeinden am Leben gehalten. Sie sind vorbildlich integriert, ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft und Brücke zu Polen. Doch wurden auch sie niemals gefragt, mit welchen Herausforderungen sie es zu tun bekamen, vor welche Probleme sie sich in einer ihnen teils ablehnend gegenüberstehenden Gesellschaft gestellt sahen.

Das bereits von Herrn Adam Wojtala (HAUS SCHLESIEN) an das Kulturreferat herangetragene Format wird mit dem Ziel formalisiert, eine entsprechende Parallelveranstaltung zu entwickeln. Überdies wird in den kommenden Monaten ein Zeitzeugenprojekt aufgebaut, wo die Aussiedler und Aussiedlerkinder aus Oberschlesien zu Wort kommen werden – auch als Ausdruck von Wertschätzung ihrer Integrationsleistung in der BRD.

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1. Gesprächsrunde bei Kaffee und Kuchen in der Bibliothek des HAUS SCHLESIEN.

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2. Achim Westerholt bei seinem Vortrag "Neue Heimat? Zur Ankunft der Flüchtlinge und Vertriebenen".

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3. Führung durch das Museum durch Nicola Remig, Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums im HAUS SCHLESIEN.

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4. Abschlussrunde, moderiert von Nicola Remig (HAUS SCHLESIEN) und dem Kulturreferenten für Oberschlesien, Dr. David Skrabania.

Kommende Veranstaltungen

Wichtiger Hinweis!
Aufgrund der steigenden Coronavirus-Infektionszahlen wurden bundesweit verschärfte Corona-Schutzmaßnahmen beschlossen. Auch das OSLM ist als Kultureinrichtung vom Lockdown betroffen und bleibt vorerst bis zum 10. Januar 2021 geschlossen. Die nachfolgenden Veranstaltungen fallen aus bzw. werden verschoben.


Mittwoch, 9. Dezember 2020, 18:30 Uhr

Horst Bieneks Gleiwitzer Kindheit - Vortrag von Prof. Dr. Daniel Pietrek
Ort: Haus Oberschlesien

Samstag, 12. Dezember 2020, 14:00 - 16:00 Uhr (Zusatztermin)
Schlesische Weihnachten!
Samstags im Museum. Museumspädagogische Nachmittage für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren

Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Samstag, 19. Dezember 2020, 14:00 - 16:00
Schlesische Weihnachten!

Samstags im Museum. Museumspädagogische Nachmittage für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

Telefon:
+49(0)2102-9650

Email:
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