
"Was verbergen Sie da" ist eine Artikelserie in der Zeitschrift Arsprototo der Kulturstiftung der Länder betitelt. So mochte man auch fragen, als Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser am Abend des 13. Dezember 2011 mit dem Zug nach Hösel zurück kam. Doch es war niemand mehr da zu später Stunde, der diese Frage hätte stellen können. Unterwegs war in der Folienverpackung nichts Ungewöhnliches zu vermuten. Doch tatsächlich wurde da ein Spitzenprodukt europäischer Waffenproduktion bewegt. Der autorisierte Kurier hatte nämlich gerade zuvor eine Teschener Jagdwaffe vom Ausgang des 17. Jahrhunderts ersteigern können. Bei der Auktion des renommierten Brüsseler Auktionshauses Pierre Bergé in Verbindung mit Hermann Historica aus München war eine große Kollektion an Waffen und Rüstungen versteigert worden. "Solche Gelegenheiten haben wir nicht alle Tage" meint frohgemut der Ratinger Museumsdirektor. Dass es zudem zum Jahresende noch gelungen ist, solch ein Spitzenexponat für die ständige Schausammlung zu erwerben, ist zudem Ausdruck einer glücklichen Fügung von Haushaltsmitteln und dem engen Einvernehmen mit den zuständigen Landesbehörden. "Wir hatten ein erfolgreiches Museumsjahr, das so auch ein weiteren bleibenden und nachhaltigen Ausdruck erfährt", fügt der auch für die Finanzplanungen verantwortliche Museumsdirektor hinzu.
Im oberschlesischen Teschen gab es im 17. Jahrhundert eine hochqualifizierte Büchsenmacherzunft. Deren leichte und gleichwohl treffsichere Jagdwaffen wurden mit erlesenen Einlegearbeiten in Elfenbein versehen. Die Hocharistokratie Europas legte sich solche Schmuckwaffen zu, nicht mal zur unmittelbaren Nutzung als zur repräsentativen Zurschaustellung. So wundert es nicht, dass heute namhafte Museen über solche Waffen verfügen. Beispielsweise gibt es jeweils nur wenige Stücke in den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, des Deutschen Historischen Museums in Berlin, auch bei der Eremitage in St. Petersburg und dem Warschauer Armeemuseum, dem Nationalmuseum Prag sowie naheliegend beim Museum des Teschener Schlesien in Teschen/ Cieszyn. Vor der neuen Ratinger Erwerbung waren die befreundeten Spezialisten des Schlossmuseums Pless zu Rate gezogen worden, die sich für den Erwerb aussprachen und die wichtigste Frage, die nach dem Handelswert, sachkundig einzuschätzen halfen.
Da jedes Museum an Attraktivität durch die Sammlungen gewinnt, so ist es auch dem Oberschlesischen Landesmuseum wichtig, den Kunstmarkt zu betrachten und in geeigneten Fällen den Erwerb zu versuchen. Das geht freilich nicht ohne Haushaltsmittel und folglich besser mit privater Unterstützung. Zweckgebundene Spenden führen darum in jedem Falle zu bleibenden Werten. "Jede finanzielle Hilfe ist uns willkommen und hilft sichtbar", so Dr. Kaiser. "Wir bekommen die finanzielle Unterstützung unseres Bundeslandes Nordrhein-Westfalen für den laufenden Betrieb. Größere Erwerbungen gehen nur durch zusätzliche private Mittel. Das jüngste Beispiel steht auch für diese Tatsachen. Wem Schlesien am Herzen liegt und wer etwas Bleibendes hinterlassen möchte, der hilft sich und uns. Wir sichern die seriöse Abwicklung unter der notwendigen Vertraulichkeit zu. Darum ist es hier auch nicht angemessen, über den Preis der Neuerwerbung zu reden. Vielmehr darf weihnachtliche Freude aufkommen, dass diese gelingen konnte".