Manche große Persönlichkeit ist in der Ferne bekannter als in der Heimat. Für Schlesier ist dies nicht ungewöhnlich. Beim hierzulande prominenten Zoologen, Tierarzt und Verhaltensforscher Prof. Dr. Bernhard Grzimek kann sich das nun ändern. In seiner Heimatstadt Neisse/Nysa wurde nun „Bernhard Grzimek - z Nysy do Serengeti” („Bernhard Grzimek – von Neisse in die Serengeti“) eröffnet.Diese Schau ist eine gemeinsame Aktion des Oberschlesischen Landesmuseums (OSLM) und des Oberschlesischen Museums in Beuthen (Muzeum Górnoslaskie w Bytomiu).
Im „Bernhard-Grzimek-Jahr“ 2009 gratulierte von deutscher Seite das Oberschlesische Landesmuseum mit einer viel besuchten Sonderausstellung zu seinem 100. Geburtstag. Zum Beginn des 100. Jahrestages des Beuthener Museums war die neu gestaltete polnische Ausstellungsversion dann im Frühjahr 2010 nahe Grzimeks Herkunftsort gezeigt worden.Am 18. Juli 2010 wurde sie in der St. Hedwig-Bastei/Bastion w. Jadwigi der Festung Neisse/Nysa eröffnet. In der Nähe befindet sich an der Hochschule Grzimeks Gedenktafel.
Der charismatische spätere „Fernsehprofessor“ kam am 24. April 1909 als jüngstes Kind des Neisser Justizrats Paulfranz Grzimek und dessen Ehefrau Margarete Wanke zur Welt. Von 1915 bis 1919 besuchte er die Volksschule und von 1919 bis zum Abitur 1928 ein Realgymnasium in seiner Heimatstadt Neisse.Grzimeks 1959 mit einem Oscar ausgezeichneter Film „Serengeti darf nicht sterben“, der auch ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung nichts von seiner Eindringlichkeit und Aktualität eingebüßt hat, wurde in viele Sprachen übersetzt und ist auch in Polen bekannt. Die Konzeption der Ausstellung und zahlreiche Leihgaben wurden aus Ratingen übernommen. Dazu treten viele Exponate aus
der reichhaltigen Sammlung des Oberschlesischen Museums in Beuthen als polnischem Partner. Thematische Vorträge mit Führungen werden die Inhalte in der Öffentlichkeit weiter bekannt machen.
Die Ausstellungsstätte in Neisse entstand um 1643 als eine von zehn altholländischen Basteien. Die Stadt Neisse fiel im ersten Schlesischen Krieg 1741 nach längerer Belagerung durch Kapitulation an Preußen. Die Preußen bauten die Festung um. Auf der linken Flussseite entstanden neue Anlagen mit dem Fort Preußen als Zitadelle. Einer weiteren Belagerung hielt sie auch 1807 während der napoleonischen Kriege stand. Von 1911 bis 1945 war die überwiegend katholisch geprägte Stadt ein selbständiger Stadtkreis in der Provinz Oberschlesien. Sowjetische Truppen eroberten und zerstörten die bis dahin gut erhaltene Altstadt von Neisse am Ende des Zweiten Weltkrieges. Wegen ihrer Vielzahl an Kirchen und Bürgerhäusern der Renaissance und des Barock hatte Neisse zuvor den Beinamen „Schlesisches Rom“ getragen. Von 1878 bis 1887 wurde die heute so genannte Hedwigs-Bastei als Kaserne Nr. 9 genutzt. Zuletzt gab es diverse private gewerbliche Nutzung. In den letzten Jahren konnten dank reichlicher europäischer Fördermittel aufwändige Sanierungen durchgeführt werden. Manches, wie die vorgeblichen Wachthäuschen am Zugang, ist schmückendes Beiwerk. Die eigentliche fortifikatorische Anlage wird an anderer Stelle besser deutlich. Gleichwohl hat Neisse ein neues kulturelles Aushängeschild und berechtigt zieht die Festung Neisse schon zahlreiche Touristen an. Über ein Jahr waren dort auch örtliche Festungsbaupläne aus einer Ausstellung des OSLM zu sehen.Gegenwärtig können dort Besucher nun auch und schon bereits zum dritten Mal auf Grzimeks Spuren wandeln, von Oberschlesien bis Afrika. Die Ausstellung ist bis in den September hinein zu sehen.
Besucheradresse in Neisse:
Bastion św Jadwigi
ul. Piastowska 19
Neisse/Nysa
Polen
Öffnungszeiten: täglich von 10 - 18 Uhr