Rund 200 Gäste, darunter viel politische und kirchliche Prominenz, waren der Einladung zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung "Herrenlos. Schlesische Klöster zwischen Aufhebung und neuer Berufung" ins Oberschlesische Landesmuseum nach Ratingen gefolgt. Zu sehen gibt es dort seit vergangenem Sonntag fast 600 Exponate von über 50 Leihgebern aus vier Staaten auf 500 qm. Dem Anlass entsprechend lang war die Liste der Ehrengäste und Redner bei der feierlichen Eröffnung im Oberschlesischen Landesmuseum (OSLM) der Stiftung Haus Oberschlesien, allen voran Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln.
Direktor Dr. Stephan Kaiser zeigte sich in seiner Begrüßung sichtlich stolz, dass es seinem Team gelungen war, viele kostbare Exponate in der neuen Ausstellung zu präsentieren. Die Geschichte der Klöster Schlesiens sei ein Zentralthema der Schlesischen Geschichte, dem sich das OSLM mit dieser Ausstellung angenommen habe. So sei die Säkularisation 1810 zwar ein Einbruch, aber nicht das Ende der Klostergeschichte gewesen.
Viel Lob für die neue Ausstellung gab es von den übrigen Vortragenden: von Ministerialrat Johannes Lierenfeld von der NRW-Staatskanzlei, Michael Ruppert, dem stellvertretenden Landrat des Kreises Mettmann und Anne Korzonnek, der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Ratingen. Die Rolle des Museums für die Kulturlandschaft im Kreis Mettmann und in der Stadt Ratingen zeige sich mit einer solch bedeutenden Ausstellung einmal mehr. So ist das Oberschlesische Landesmuseum in der hiesigen Kulturszene viel mehr als eine Anlaufstelle für Menschen mit oberschlesischen Wurzeln. Das Thema lässt sich auch auf hiesige Klöster übertragen, die auch Leihgaben zur Verfügung gestellt haben. Kardinal Meisner hob in seinen Begrüßungsworten vor allem die europäische Komponente der Klöster hervor. Dies war auch eine wesentliche Erfahrung auf seiner Reise nach Schlesien. In der Klostergeschichte Schlesiens spiegle sich die europäische Kultur, die im zusammenwachsenden Europa besonders wichtig ist. „Von einander wissen und von einander lernen, bringt die Menschen einander näher“, betonte der gebürtige Breslauer. Die Säkularisation habe auch Positives hervorgebracht, so der Schirmherr der Ausstellung. Befreit von der politischen Verantwortung für ihr Land, konnte sich die Kirche nun stärker karikativen Aufgaben widmen. Vieles sei vernichtet worden, einiges erhalten geblieben.
Das macht die Ausstellung deutlich. Ratingen sei auf jeden Fall eine Reise wert, schloss Meisner seine Grußworte.
In Vertretung der polnischen und tschechischen Schirmherren Erzbischof Marian Gołębiewski, Erzbischof Damian Zimoń und Erzbischof Jan Graubner sprachen Prof. Dr. Józef Pater, Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums in Breslau und Dr. Henryk Pyka, Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums in Kattowitz.
Ausstellungskurator Dr. Gregor Ploch führte in seinen Festvortrag die Gäste in die Thematik und die lebendige Ausstellungskonzeption ein. Die ansprechende Schau sei keineswegs eine –Verherrlichung der Katholischen Kirche, sondern präsentiere einen wichtigen historischen Abschnitt in einem weit betrachteten Kontext: Barocke Pracht und Gegenreformation, Säkularisation und Neuanfang findet der Besucher in einer Gestaltung, die sich an den Räumen eines Klosters orientiert und dabei auch den Klostergarten und das Wirtschaftsleben mit vielen Exponaten einbezieht.
Beim anschließenden Rundgang bewunderten die Gäste die seltenen und wertvollen Stücke, dieser einzigartigen Präsentation. Zu den herausragenden Exponaten gehört eine Kasel des Grüssauer Nelkenornats, die Direktor Dr. Kaiser stolz Kardinal Meisner präsentierte: "Ich kannte das zur 500-Jahrfeier 1792 gestiftete Ornat aus der Literatur. Nur einmal konnte ich vor vielen Jahren eine Kasel in der Sakristei der Grüssauer Marienbasilika kurz sehen. Solch eine kostbare Stickerei nun ein halbes Jahr ausstellen zu können, erfüllt mich mit Freude, Stolz und Dankbarkeit“, erklärte er dem Ehrengast. Auch dieser Ornat hat nicht nur eine besondere Gründungsgeschichte. Wie so häufig waren es von Wirrungen und Irrungen gekennzeichnete zweihundert Jahre seitdem. Die Breslauer Ursulinen hatten die wohl 10 Kaseln, mindestens vier Dalmatiken und zwei Vespermäntel für Abt Petrus II. hergestellt.
Nach der Säkularisation 1810 blieb der zwar kostbare, doch noch ganz neue Ornat zum Pfarrgebrauch in Grüssau. Ältere Paramente waren an die umliegenden Stiftsgemeinden gegeben worden. Insgesamt interessierte sich der preußische Staat mehr für Kirchensilber als Kirchenmäntel. Die 1919 nach Grüssau gekommenen Benediktiner schätzten diesen Ornat sehr. Erst 1953 wurde der Nelkenornat zum überwiegenden Teil nach Breslau in die Dompfarrei gebracht. Zum 1000jährigen Jubiläum des Bistums Breslau im Sommer 2000 zog Erzbischof Henryk Kardinal Gulbinowicz mit diesem Ornat durch die schlesische Metropole. Es ist somit nun eine Premiere anderer Art, eine Kasel dieses Ornats in Ratingen aus der Nähe und im Detail betrachten zu können.
Einen Audiobeitrag des Domradios zur Ausstellungseröffnung finden Sie hier.
Auch die Rheinische Post berichtete: Weiterlesen