Nun ist alles gerichett. Am Sonntag, 16. Mai, um 15:00 wird die Ausstellung "Herrenlos. Schlesische Klöster zwischen Aufhebung und neuer Berufung" im Beisein von Joachim Kardinal Meisner eröffnet. Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser ist hocherfreut: "Es gibt eine große Fülle hochkarätiger Exponate zu sehen. Diese Ausstellung markiert einen Wendepunkt. Es sind mehr authentische Exponate von unseren ausländischen Partnern eingetroffen als wir anfangs erhofften. Diese Präsentation wird einzigartig in Deutschland sein."
In der Tat sind viele Exponate nicht nur erstmalig überhaupt ausgestellt, sondern ist die Zusammensetzung eine besondere. Freude und Erleichterung waren darum gegeben, als zehn Tage vor Eröffnung der zweite Ausstellungstransport eintraf. Kurator Dr. Gregor Ploch war assistiert von Christine Absmeier 2.800 KM auf Tour durch Österreich, Tschechien, Polen und Deutschland, um die Leihgaben bei den staatlichen und kirchlichen Sammlungen für das Ratinger Museum zu übernehmen. Dazu Dr. Ploch: "Die Hürden für die Ausfuhrgenehmigungen waren hoch. Einige Erlaubnisse erhielten wir im letzten Augenblick. Ich bin erleichert, dass die langen Vorbereitungen nun zu sichtbaren Resultaten führten. Unser Dank gilt den Partnern für eigene Bemühungen und konstruktive Mitwirkung".
Solche Zusammenarbei
t laufend zu beleben und mit Inhalt zu füllen, darauf versteht sich das Team des Oberschlesischen Landesmuseums. Gerade noch ging es um fliegerisches Handeln, wo man von einer Crew hätte sprechen sollen. Wenn es nun um die Klöster geht, so läge es näher, von einer Gemeinschaft zu reden. Welche Methaphern auch immer zutreffen, die verschiedenen Qualifikationen ergänzen sich in Ratingen auf's Beste, um zeitgerecht und zielorientiert ein komplexes Zusammenwirken zu bewirken. In diesem Sinne waren es handlungsintensive Tage, die Handschriften, Wiegendrucke, Ornate, Paramente, Gemälde, Ansichtenzeichnungen, Bücher, Holzskulpturen, Goldschmiedearbeiten, Tierpräparate usw. in den Ausstellungsräumen sicher und ansprechend zu präsentieren. Jedes Exponat
wurde gerückt und beschriftet, schließlich beleuchtet. Dabei sind ganz unterschiedliche Aspekte zu beachten. Ist das Objekt für den Betrachter gut sichtbar, gibt es keine Spiegelungen, sind Sicherheitsabstände gewahrt, ist das Objekt den konservatorischen Anforderungen entsprechend präsentiert, was ist sichtbar? Die Zahlen von weit über 1.000 Positionen sprechen nun für sich:
Zu sehen sind fast 600 Exponate von über 50 Leihgebern aus vier Staaten auf 500 qm in 120 Rahmen, an 52 Stellwänden und in 48 Vitrinen. Dazu kann der Besucher wahlweise über 310 Beschriftungen lesen sowie sich an 11 Multimediaanwendungen erfreuen.
Zu den herausragenden Exponaten, die Direktor Dr. Kaiser besonders erfreuen, gehört eine Kasel des Grüssauer Nelkenornats. "Ich kannte das zur 500-Jahrfeier 1792 gestiftete Ornat aus der Literatur. Nur einmal konnte ich vor vielen Jahren eine Kasel in der Sakristei der Grüssauer Marienbasilika kurz sehen. Solch eine kostbare Stickerei nun ein halbes Jahr ausstellen zu können, erfüllt mich mit Freude, Stolz und Dankbarkeit." Auch dieses Ornat hat nicht nur eine besondere Gründungsgeshichte. Wie so häufig waren es von Wirrungen und Irrungen gekennzeichnete zweihundert Jahre seitdem. Die Breslauer Ursulinen hatten die wohl 10 Kaseln, mindestens vier Dalmatiken und zwei Vespermäntel für Abt Petrus II. hergestellt. Nach der Säkularisierung 1810 blieb das zwar kostbare, doch noch ganz neue Ornat zum Pfarrgebrauch in Grüssau. Ältere Paramente waren an die umliegenden Stiftsgemeinden gegeben worden. Insgesamt interessierte sich der preußische Staat mehr für Kirchensilber als Kirchenmäntel. Die 1919 nach Grüssau gekommenen Benediktiner schätzten dieses Ornat sehr. Erst 1953 wurde das Nelkenornat zum überwiegenden Teil nach Breslau in die Dompfarrei verbracht. Zum 1000jährigen Jubiläum des Bistums Breslau im Sommer 2000 zog Erzbischof Kardinal Gulbinowicz mit diesem Ornat durch die schlesische Metropole. Es ist somit nun eine Premiere anderer Art, eine Kasel dieses Ornats in Ratingen aus der Nähe und im Detail betrachten zu können.
Zur Eröffnung am 16. Mai 2010 um 15.00 h sind alle Interessenten herzlich eingeladen.
Grußworte sprechen:
Joachim Kardinal Meisner, Köln
Johannes Lierenfeld, Staatskanzlei NRW, Düsseldorf
Michael Ruppert, Landratsamt Mettmann
Bürgermeisterin Anne Korzonnek, Ratingen
Prof. Dr. Josef Pater, Erzdiözesanmuseum Breslau
Dr. Henryk Pyka, Erzdiözesanmuseum Kattowitz
An weiteren besondere Gäste haben der Altabt von Maria Laach, Dr. Adalbert Kuzeja, und der Visitator der Priester und Gläubigen aus dem Erzbistum Breslau und dem Generalvikariat Branitz, Dr. Joachim Gila aus Münster anwesend sein.