Am letzten Sonntag (2. Mai) wurde im Oberschlesischen Landesmuseum die neue Sonderausstellung "Im Auftrag Seiner Majestät. Die Reise Friedrich Wilhelm von Redens von Oberschlesien ins Ruhrtal" eröffnet. Die Schau lädt ein zu einer Zeitreise zu den Anfängen des industriellen Bergbaus.
Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser begrüßte die Gäste und war sehr erfreut über die gelungene Schau, die wiederum durch die langjährigen Beziehungen des Oberschlesischen Landesmuseums zum LWL-Industriemuseum zustande kam. In Hösel erweitern nun interessante schlesische Exponate zu Leben, Wirkung und Nachwirkung Redens diese Ausstellung. Herauszuheben ist das Fahrbuch der Königshütte, eine besondere historische Quelle. In diesem Gästebuch haben sich ziwschen 1900 und 1915 alle Besucher einer der wichtigen deutschen Montanbetriebe eingetragen, unter ihnen auch Reden und seine Frau. Dieses Dokument wird nun erstmals seit 70 Jahren in der Sonderausstellung des Oberschlesischen Landesmuseus präsentiert.
Dr. Olaf Schmidt-Rutsch, wissenschaftlicher Referent beim LWL-Industriemuseum, ließ in seinem anschaulichen Einführungsvortrag den Lebensweg des preußischen Bergrates Friedrich Wilhelm Graf von Reden lebendig werden. Der aus westfälischem Adel stammende Reden, 1752 in Hameln geboren, war 1779 nach Schlesien berufen worden. Er stand dort dem Oberbergamt in Breslau vor. Reden erkannte den Wert und die Chancen für die industrielle Entwicklung seiner Zeit. Reisen nach England hatten seinen Blick geschult. Als königlicher Oberbergrat förderte er die Schlüsseltechnologie der damaligen Zeit im Auftrag des preußischen Staates. 
Er ließ aus England eine der ersten Dampfmaschinen in ganz Europa kommen und baute diese erfolgreich im oberschlesischen staatlichen Hüttenwerk Malapane nach. an die Ruhr. Sein Besuch an der Ruhr 1782 war angeordnet worden, um den Zustand und die Entwicklung dieses weiten wichtigen Revier in Preußen zu bewerten. In der Ausstellung wird die Handschrift dieses umfangreichen Berichtes gezeigt. Da er damals seit drei jahren die schlesischen Verhältnisse kannte, so sollte er einen Vergleich ermöglichen. Reden, damals 30 Jahre, hatte eine solch solide Ausbildung erhalten, dass er für diese große Aufgabe geeignet war.
In Folge der preußischen Niederlage 1807 wurde der zum preußischen Bergwerksminister aufgestiegene Reden auf Geheiß Napoleons entlassen. Er zog sich auf sein Gut Buchwald im Riesengebirge zurück. Dort hatte er noch in den Breslauer Zeiten als Oberberghauptmann ganz Schlesiens eine Stätte der Ruhe und Erholung gesucht und gefunden. Nach Vorbildern, die er bei seinen englischen Reisen kennen- und schätzengelernt hatte, legte er einen Landschaftspark an. Zahlreiche Parkbauwerke entstanden und boten pittureske An- und Aussichten. Dabei wurde stets auf die imposante Riesengebirgskulisse Bezug genommen. Bei der sogenannten Abtei in neugotischem Stil wollte er begraben werden. Dementsprechend findet sich dort auch sein einfach gehaltenes Grab. Die um die Ansiedlung Tiroler Glaubensflüchtlinge verdiente Gemahlin wurde später neben ihn gebettet. In der Umgebung gab und gibt es zahlreiche weitere Schlösser. Nach Reden kamen zahlreiche weitere hochadlige und verdiente Persönlichkeiten, die diese Schlösser zu ihren Sommersitzen ausbauten. Nach den Verwahrlosungen der Nachkriegszeit wird seit Anfang der 1990er Jahre eine Revitalisierung versucht. Einige Objekte haben engagierte neue Nutzer gefunden. In Buchwald gab es einige Zeit eine von der Gemeinde betriebene Bildungsstätte, dann Überlegungen für eine Hotelnutzung und schließlich die Gründung einer Stiftung als Träger zukünftiger Erhaltung und Nutzung.
Die Frühindustrialis
ierung Oberschlesiens hatte Reden ganz wesentlich inspiriert und gefördert. Das sogenannte Carnall-Service seines Nachfolgers zeigt fein gemalte Veduten von Zechen und Hütten auf den Schauseiten der Kaffeetassen und zugehörigen Kannen. Auch die impossanten Graphiken des Schmiedeberger Verlages von F. Tittel belegen, welche Sehenswürdigkeiten schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die prosperierenden schlesischen Industriewerke gewesen sind.
Die Ausstellung ist bis zum 26. September 2010 geöffnet.
Es gibt einen informativen Katalog zum Preis von 10 €.
Einen Bericht von Hubert Maessen sendet WDR 5, Alte und Neue Heimat, am Sonntag, 30. Mai 2010 zwischen 09:20 und 10:00 h.