Ausstellungseröffnung am 20. März 2021

14. Januar 2021 Zugriffe: 903 Geschrieben von Peters-Schildgen
Drucken E-Mail

sa-plebiszit 2021 grafika-tytulowa


Polen oder Deutschland? Oberschlesien am Scheideweg
Zum 100. Jahrestag der Volksabstimmung in Oberschlesien
20. März bis 31. Dezember 2021

(Digitale) Ausstellungseröffnung am 20. März 2021

Nach dem ersten Weltkrieg brach die altbekannte Ordnung Europas zusammen. Die Revolution fegte die Monarchien hinweg. Auf den Trümmern der Imperien der Habsburger, der Hohenzollern und der Romanows begannen neue, auf nationalen Ideen basierende Staaten zu entstehen, die nach ethnischer Homogenität strebten. Dort, wo die Bevölkerung ethnisch heterogen zusammengesetzt war, kam es zu regionalen Konflikten um Land, staatliche Zugehörigkeit und nationale Identität.

Der Hauptschauplatz dieser Ereignisse war Mittel- und Ostmitteleuropa. Auch die Polen in den preußischen Ostprovinzen forderten den Anschluss ihrer Heimatgebiete an den gerade entstandenen polnischen Staat. Weitere bewaffnete Konfrontationen schienen unvermeidlich und sollten durch Volksabstimmungen verhindert werden. Der am 28. Juni 1919 unterzeichnete Versailler Friedensvertrag, der auf dem Grundsatz der Selbstbestimmung der Völker beruhte, wurde zum Fundament der zu schaffenden neuen Ordnung in Europa.

So standen die Bewohner Oberschlesiens vor einem Dilemma: „Polen oder Deutschland?“ Vor diese Entscheidung gestellt, stimmten am 20. März 1921 knapp 60 Prozent der Wähler für den Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland und 40 Prozent votierten für eine Abtretung an Polen. Die Abstimmung wurde von mehreren Aufständen begleitet. Ein von Wojciech Korfanty angeführter Aufstand im Mai 1921 sollte die vollständige Angliederung an Polen durchsetzen, vermochte die Teilung Oberschlesiens im Juni 1922 aber nicht zu verhindern. Auf Beschluss der Pariser Botschafterkonferenz wurde Oberschlesien geteilt. 29 Prozent des Landes mit dem größten Teil des oberschlesischen Industriegebiets fiel an Polen. Die Teilung Oberschlesiens hatte weitreichende Folgen. Die Grenze durchschnitt eine jahrhundertelang gewachsene multiethnische, multikulturelle und mehrsprachige Region.

Am 20. März 2021 jährt sich die Volksabstimmung in Oberschlesien zum 100. Mal. Das Oberschlesische Landesmuseum widmet diesem wichtigen historischen Ereignis eine eigene Sonderausstellung. Sie erzählt von den Vorbereitungen, dem Verlauf und den Folgen der Volksabstimmung und präsentiert erstmals in dieser Zusammenstellung Exponate aus mehreren Museen in Polen, die durch Objekte aus der Sammlung des Oberschlesischen Landesmuseums ergänzt werden. Zu sehen sind Fahnen, Abzeichen, Waffen, Dokumente zur Abstimmung, Ausweise, Orden, eine Wahlurne sowie historische Fotografien und vieles mehr.

Die Ausstellung schärft zugleich den Blick auf die heutige Zeit. Die polnisch-deutsche Auseinandersetzung um Oberschlesien von vor hundert Jahren ist ein exemplarisches Beispiel dafür, zu welchen tragischen Konsequenzen ethnisch-nationale Konflikte führen können. Denn ein mit der ethnisch-nationalen Frage verbundenes Gewaltpotential besteht nach wie vor, wie der blutige Bürgerkrieg im zerfallenden Jugoslawien in den 1990er Jahren oder – in jüngster Zeit – die Konflikte in der Ostukraine und um die Region Berg-Karabach zeigen. Die Beschäftigung mit diesem historischen Ereignis mahnt uns bis heute, zwischenstaatlichen Interessenausgleich, Minderheitenschutz und den respektvollen Umgang der Völker Europas ernst zu nehmen.


Weitere Highlights im Jubiläumsjahr

Am 11./12. Juni 2021 findet in der Stiftung Haus Oberschlesien eine international besetzte wissenschaftliche Tagung zum Plebiszit in Oberschlesien statt.

Außerdem wird der 35-minütige Bildungsfilm „Ein europäischer Konflikt. Der Abstimmungskampf um Oberschlesien 1921“ – eine Co-Produktion des Kulturreferenten für Oberschlesien, der Landeszentrale für Politische Bildung Nordrhein-Westfalen, der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, dem Oberschlesischen Landesmuseum und der Arche-Noah Filmproduktion – rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung fertiggestellt sein.


KOMMENDE VERANSTALTUNGEN

Aufgrund der steigenden Coronavirus-Infektionszahlen wurden bundesweit Corona-Schutzmaßnahmen beschlossen. Auch das OSLM ist als Kultureinrichtung vom Lockdown betroffen und bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Veranstaltungen und Führungen finden online und nur nach gesonderter Ankündigung statt.

Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

Telefon:
+49(0)2102-9650

Email:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!