Die „Wlecke Rechenmaschine“

Drucken E-Mail
Geschrieben von Chromik
02. Juli 2018
Zugriffe: 94

Spätestens ab der achten Klasse besitzt heute jedes Kind einen Taschenrechner, mit dem es auch komplexe Aufgaben in Sekundenschnelle bewältigen kann. Vor Etablierung des Geräts setzte man noch auf Rechenschieber, kompliziertes schriftliches Lösen – oder aber die „Wlecke Rechenmaschine".

Bei dieser handelt es sich um eine Gütersloher Erfindung, die sich Lehrer Wilhelm Wlecke 1919 patentieren ließ. Sie besteht aus einem Holzkasten mit zwei Reihen von jeweils zehn Blechfingern, die einzeln umklappbar sind. Beim Unterricht platzierte man den Apparat auf dem Pult und stellte der ganzen Klasse sichtbare Aufgaben.

kopie Medium

Wlecke entwickelte den Mechanismus, als er sich zunehmend an leistungsschwachen Kindern störte, die die Klasse beim Lernen bremsten. Er suchte nach einem Mittel, ihnen die Grundlagen der Mathematik und das Einsetzen der eigenen Finger beim Rechnen zu erklären. Dabei war er davon überzeugt, dass die Visualisierung der Aufgaben eine wichtige Rolle spiele: „Je deutlicher die Anschauung, desto sicherer und anhaltender arbeitet das Gedächtnis", behauptete er 1929 in seinem pädagogischen Konzept „Die Finger als Fundament des ganzen Zahlenbaus".

Wenngleich für kurze Zeit in vielen Klassenzimmern eingesetzt, blieb der langfriste Erfolg aus. 1930 wurde die Produktion eingestellt, Restbestände kann man heute nur noch in Museen bewundern.

"Jungvolk auf Fahrt"

Drucken E-Mail
Geschrieben von Wahlsdorf
21. Juni 2018
Zugriffe: 162

aral-2055webUm die Begeisterung von Kindern für Vaterland und Militär zu entfachen, gab es zahlreiche Propagandaprodukte, die mit Beginn des Ersten Weltkriegs eine besonders hohe Verbreitung fanden. Vom Matrosenanzug, der den hohen Stellenwert der Marine in der Kaiserzeit zeigt, über Kinderliteratur, die Kriegsereignisse durch eine verniedlichende Darstellung verharmlosen, bis hin zu Kriegsspielzeugen. Kriegsspielzeuge gab es in alle Variationen – das Spektrum reicht von kleinen Uniformen, Degen und Kinderhelmen bis hin zu Spielzeugen wie Panzer, Kriegsschiffe oder Zinnsoldaten. Solche Spielzeuge konnten sich nur Kinder aus wohlhabenden Familien leisten. Kinder aus ärmeren Familien griffen auf selbst gebasteltes Kriegsspielzeug wie Helme aus Papier oder Gewehre aus Holz zurück.


Auch im Nationalsozialismus wurde auf die vaterlandstreue Prägung der Kinder besonderen Wert gelegt. Schon die Kleinsten sollten durch Kriegsspielzeuge und Kinderliteratur auf den Krieg vorbereitet werden. Ältere Kinder wurden in Kinder- und Jugendorganisationen beeinflusst. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Kriegsspielzeuge weggeworfen oder in Kartons verbannt. Spielzeuge von britischen oder amerikanischen Truppen im Westen oder patriotisches Spielzeug aus der Sowjetunion für den Osten waren gemäß der politischen Situation jetzt in Mode. dsc 0023bweb

Das hier gezeigte Strategiespiel „Jungvolk auf Fahrt“ von der Firma Hausser gehört der Stiftung des Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus (1935-1945). Der Titel des Spiels „Jungvolk“ bezeichnet die 10 bis 14 Jahre alten Kinder der Hitlerjugend. Die Schachtel sowie der Spielplan zeigen einen Jungen bei verschiedenen Aktivitäten. Das Spiel ist beendet, wenn einer der sechs Parteien das Ziel durch Würfeln erreicht hat.

Zinnsoldaten: Ruhr Museum
"Jungvolk auf Fahrt": Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Puppenhaus

Drucken E-Mail
Geschrieben von Wahlsdorf
13. Juni 2018
Zugriffe: 142

puppenhaus webEines der Highlights unserer kommenden Ausstellung „Schaukelpferd und Zinnsoldaten. Kindheit und Jugend in Schlesien“ ist sicherlich das große Puppenhaus aus Königshütte. Puppenhäuser oder auch Puppenstuben, wie sie früher genannt wurden, sind Miniaturdarstellungen von Häusern.
Schon in der Antike gab es verkleinerte Darstellungen von Häusern, die entweder aus Ton, Bronze, Zinn oder Silber hergestellt wurden und verstorbenen Kindern mit ins Grab gegeben wurden. Das älteste Puppenhaus, so wie wir uns heute auch ein Puppenhaus vorstellen, stammt aus dem Jahr 1558. Der Herzog von Bayern Albrecht V. schenkte seiner Tochter ein Puppenhaus. Dieses Puppenhaus war allerdings nicht zum Spielen gedacht, sondern war ein Kunstwerk. Das Puppenhaus als Spielzeug wurde zwischen dem 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa immer beliebter. Dabei war das Puppenhaus nicht nur ein Spielzeug, sondern verfolgte auch pädagogische Ziele. In den gut ausgestatteten Puppenküchen, Wohnzimmern oder auch Kinderzimmern sollen die kleinen Puppenmütter mit ihrer zukünftigen Rolle als Hausfrau und Mutter vertraut gemacht werden.
Auch wenn schon einige Handwerker im 19. Jahrhundert u. a. in Deutschland, England oder Frankreich solche Puppenhäuser herstellten, so waren sie nur für die wenigsten Kinder bzw. Familien erschwinglich. Für ein Puppenhaus war die Zusammenarbeit von verschiedenen Handwerkern notwendig und dementsprechend war das Puppenhaus auch teuer. Tischler fertigten die kleinen Möbel an, Schneiderinnen die Kleider, Gefäße aus Zinn wurden von Glockengießern hergestellt, Tassen sowie Schalen aus Ton von Töpfern und das Porzellanservice wurde in Porzellanfabriken gefertigt. Weniger reiche Familie konnten sich ein Puppenhaus nur leisten, wenn ein Elternteil handwerklich talentiert war und sie die Zeit hatten in mühsamer Arbeit ein Puppenhaus zusammenzustellen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts fing die Massenproduktion von Puppenmöbeln und –häusern an, sodass Kinder und Familien aus unterschiedlichen, gesellschaftlichen Schichten sich solche Spielzeuge leisten konnten.
Das hier gezeigte Puppenhaus entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde uns von dem Schlesischen Museum Kattowitz zur Verfügung gestellt. Es gehörte einer evangelischen Familie in Königshütte. Das Besondere an dem Puppenhaus aus Holz ist, dass sich eine Seite öffnen lässt, sodass zwei Zimmer zum Vorschein kommen.

Foto: Schlesisches Museum Kattowitz

https://muzeumslaskie.pl/pl/work/zabawka-domek-dla-lalek-mske3389/

Rassel

Drucken E-Mail
Geschrieben von Wahlsdorf
04. Juni 2018
Zugriffe: 212

rassel klRasseln sind selbstklingende Musikinstrumente, die schon seit der späten Bronzezeit existieren. Kleine Rasselkörper erzeugen in einem Gefäß Töne, wenn man das Gefäß bzw. das Instrument schüttelt. Für Kinder werden bis heute Rasseln genutzt, um sie durch die Geräusche zu beruhigen und ihr Rhythmusgefühl zu verbessern.
Die hier gezeigte Rassel stammt aus der Sammlung des Historischen Museum in Kattowitz. Der obere Teil der Rassel besteht aus einem Ring aus Elfenbein, der vermutlich auch als Beißring von den Kindern genutzt wurde. An diesem Ring hängt eine Kinderfigur aus Sterlingsilber - die Legierung mit dem höchsten Silbergehalt (925). Auf der Rückseite der Figur lassen sich vier Punzen erkennen, die auf die Firma, den Ort, das Material und das Jahr schließen lassen. Auch wenn diese schon recht abgenutzt ist, so verraten sie, dass die Rassel in der englischen Stadt Chester von der Firma W. H. Collins & Co. produziert wurde, vermutlich 1894. Diese Rassel wurde von einer wohlhabenden oberschlesischen Familie gekauft. Eine Arbeiterfamilie hätte sich eine solche Rassel nicht leisten können.

Diaprojektor

Drucken E-Mail
Geschrieben von Wahlsdorf
28. Mai 2018
Zugriffe: 252

diaprojektor kl

Für viele Menschen sind die Diaprojektoren schon zum Kultobjekt der kommunistischen Zeit in Polen geworden. Kinder konnten mithilfe des Projektors phantasievolle Geschichten erleben. Gerade in einer Zeit, wo die Auswahl an Filmen oder auch an Fernsehprogrammen eher beschränkt war, war so ein „erzählender“ Projektor ein beliebter Zeitvertreib.

Der hier gezeigte Diaprojektor wurde von der Firma Prexer unter den Namen Jota Slide in den 70er Jahren produziert. Die Firma war die einzige in der Volksrepublik Polen, die Filmprojektoren hergestellt hat und war Teil des Konzerns Predom, der Haushaltsgerät herstellte. Der Diaprojektor gehört der Familie unseres wissenschaftlichen Mitarbeiters Leonhard Wons. Als Geschenk zur Erstkommunion bekamen seine Brüder den Diaprojektor von ihrem Patenonkel geschenkt. filmdosen kl

 Zu Beginn gehörten zwei Filme zu dem Projektor, wobei sich die Filmsammlung schnell vergrößerte, da jedes Kind der Familie gerne damit spielte. Zu der Sammlung gehörten verschiedene Geschichten wie der gestiefelte Kater, Bambi von Walt Disney, Flip i Flap (Dick und Doof) oder auch Robin Hood. Eine Filmrolle hatte zwischen 12 und 48 Dias. Auf den Dias war nicht nur das Bild zu sehen, sondern auch ein Text - so war eine lange Unterhaltung garantiert.bambi kl

Weitere Beiträge...

  1. Matrosenanzug

Kommende Veranstaltungen

Eröffnung der Sonderausstellung "Schaukelpferd und Zinnsoldaten"
am Sonntag, 8. Juli um 15 Uhr
Ort: Stiftung Haus Oberschlesien


Öffentliche Sonntagsführung
am Sonntag, 22. Juli, um 15 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

 Kinderferienprogramm
am Mittwoch, 01. August, von 14:30 bis 16:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum






Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

Telefon:
+49(0)2102-9650

Email:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!