Der Dreidel

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Geschrieben von Wahlsdorf
05. Dezember 2018
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In unserer Ausstellung „Schaukelpferd und Zinnsoldaten. Kindheit und Jugend in Schlesien“ zeigen wir zwei Dreidel unter vielen weiteren Spielzeugen. Der Dreidel (hebräisch Sevivon, jiddisch Trendl) ist ein Kreisel mit vier Seiten, die jeweils mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets bedruckt sind:

נ (Nun), ג (Gimel), ה (He), ש (Schin). In der Diaspora sind es die Anfangsbuchstaben für den Satz:

נס גדול היה שם – Nes gadol haja scham: „Ein großes Wunder geschah dort.“ 

In Israel wird der Buchstabe Schin durch ein פ (Pe) ersetzt, so heißt der Satz:
נס גדול היה פה – Nes gadol haja po: „Ein großes Wunder geschah hier.“DSC 0004b

Gemeint ist das „Lichtwunder“, das während des Chanukka-Fests gefeiert wird. 164 v. Chr. befreiten sich die Makkabäer erfolgreich von der Herrschaft der Seleukiden. Die Besatzer hatten den Tempel in Jerusalem geplündert, entweiht und das Licht der Menora (des siebenarmigen Leuchters) gelöscht. Ein besonderer Frevel, denn ihr Licht steht für die Anwesenheit Gottes und darf niemals erlöschen. Bei der Neuweihung des Tempels war es insofern essentiell die Menora wieder zu entzünden. Der Legende nach hatten die Griechen einen winzigen Krug mit Öl übersehen, der die Menora wie durch ein Wunder acht Tage lang zum Leuchten brachte – genauso lange wie man zur Herstellung neuen Öls benötigte.

Während der seleukidischen Besatzung war außerdem das Studium der Thora verboten. Eine weitere Legende besagt, dass in diesem Zusammenhang der Dreidel entstanden ist. Mit seiner Hilfe sollte man aus der Thora lernen. Näherte sich eine seleukidische Patrouille, konnte man vorgeben sich einer harmlosen Freizeitbeschäftigung zu widmen. Tatsächlich ist der Dreidel wesentlich jünger und beruht auf einem Kinderspiel aus dem 16. Jahrhundert. 

In Oberschlesien bestanden jüdische Gemeinden seit dem 13. Jahrhundert, die besonders in den größeren Städten eine lebendige Kultur pflegten. Vor allem seit dem Fall des Kommunismus erlebte das kulturelle, soziale und religiöse Leben der Juden in Schlesien eine Wiederbelebung.

Sticken und Klöppeln

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Geschrieben von Wahlsdorf
31. Oktober 2018
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klppeln 1 webDiesen Monaten stehen zwei Handarbeitstechniken bei uns im Mittelpunkt: Sticken und Klöppeln. Denn die eigene Kleidung nähen oder ausbessern, Taschentücher mit den Initialen besticken oder auch Socken stricken und flicken – all dies musste ein Mädchen im 19. Jahrhundert können. Dabei war es egal, ob das Mädchen aus einer wohlhabenden oder einer bäuerlichen Familie stammte. Reichere Familien konnten sich eine Erzieherin, Gouvernante oder den Besuch einer höheren Mädchenschule für ihre Tochter leisten, wo die die diversen Techniken beigebracht bekam. In ärmeren Familien zeigten die Mutter, Großmutter oder andere Verwandte den Mädchen Nähen, Stricken und andere Handarbeiten, die im Alltag wichtig waren.sticken 1 web

Unser Objekt des Monats sind diverse Stickarbeitsübungen von Irena Nowosielska (geb. 1907), mit denen sie um 1920 Sticken lernte. Übungsmuster waren unter anderem ein Kreuz oder eine Krone. Zusätzlich zeigen wir ein Klöppelkissen samt Klöppel und Klöppelbrief. Mit diesen Utensilien wurde Spitze hergestellt. Besonders im 17. und 18. war die Klöppelei äußerst beliebt. Anfang des 19. Jahrhundert konnte mit der Bobinetmaschine gemusterte Spitze auch maschinell hergestellt werden. Das traditionelle Handwerk wurde immer mehr verdrängt.

Peitsche

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Geschrieben von Wahlsdorf
28. August 2018
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peitsche kl"Immer schön Bitte und Danke sagen". Mütter, Väter, Großväter oder Großmütter sagen diesen Satz häufig zu ihren Kindern. Sie legen Wert auf die richtige Körperhaltung oder die Bereitschaft, Menschen zu helfen. Es wird versucht ihnen Werte zu vermitteln und sie auf das Erwachsenenleben vorzubereiten.

Seit dem 19. Jahrhundert wurden Kinder immer mehr als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen und dementsprechend mehr Wert auf die Erziehung gelegt. Allerdings waren die Rollen früher strenger aufgeteilt. Meistens waren die Mutter, die große Schwester oder die Großmutter für die Erziehung der Kinder zuständig. Der Vater hingegen war für den Unterhalt der Familie verantwortlich und hatte am Ende des Tages das letzte Wort. Auf der anderen Seite halfen die Töchter der Mutter beim Kochen, Putzen und eben bei der Erziehung der Geschwister. Die Söhne halfen häufig schon früh dem Vater, wurden bei der Feldarbeit eingesetzt oder mussten sogar zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, indem sie bspw. in Bergwerken arbeiteten.
Gehorchte das Kind und half im Haushalt mit, so wurde es gelobt und vielleicht sogar mit einem Groschen belohnt, der besonders gerne für Süßigkeiten ausgegeben wurde. Hat sich das Kind aber falsch benommen, so wurde es bestraft oder sogar körperlich gezüchtigt. Dies beschränkte sich nicht nur auf das häusliche Umfeld. Auch in der Schule wurden die Kinder bei Fehlverhalten z.B. mit einem Rohrstock, geschlagen.

Solche Peitschen, wie hier abgebildet, wurden häufig genutzt, um Kinder zu schlagen. Die Peitsche besteht aus einem Holzstiel und mehreren Riemen, die möglicherweise aus Restlederabfällen hergestellt wurden. Sie sollte Zucht und Ordnung symbolisieren und wurde immer dann eingesetzt, wenn sich das Kind falsch verhielt oder den Eltern nicht gehorchte. Oft hing sie in der Küche und diente bereits als Warnung. Mit der Peitsche wurde meistens auf das Gesäß des Kindes geschlagen. Die körperliche Züchtigung der Kinder hinterließ nicht nur körperliche Verletzungen. Auch heute leiden noch einige Erwachsene unter dieser schmerzhaften Vergangenheit. Heutzutage würde etwa in Polen oder Deutschland so ein Verhalten der Eltern strafrechtliche Folgen haben, da es verboten ist, Gewalt auf das eigene Kind auszuüben.

Kindererzählungen von Thekla von Gumpert

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Geschrieben von Wahlsdorf
15. August 2018
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gumpert 5 webThekla von Gumpert war eine der meistgelesenen Kinderbuchautorinnen ihrer Zeit. Mit ihrem bekanntesten Werk, dem jährlich erscheinenden „Töchteralbum", prägte sie die Mädchenliteratur. Generationen von Kindern und Jugendlichen wurden durch die moralischen Vorstellungen in ihren Büchern beeinflusst.

Thekla von Gumpert wurde am 28. Juni 1810 in Kalisch (poln. Kalicz) als drittes von fünf Kindern geboren. Ihr Vater, Christian Gottlieb von Gumpert, war ein wohlsituierter Kreisarzt, Theklas Mutter Henriette stammte aus der Rittergutsbesitzer-Familie von Eckartsberg und Weißtrupp. 1815 zog die Familie in das Großherzogtum Posen um, da Theklas Vater hier die Stelle des Regierungsmedizinalrates erhielt. Sein Tod im Jahr 1832 bedeutete für die ganze Familie den sozialen Abstieg. Ihr neues Zuhause fand die Familie bei ihrem Verwandten, dem Baron von Seydlitz und Kurtzbach. Thekla unterrichtete die Kinder der Familie. In diesen Jahren sammelte sie wertvolle pädagogische Erfahrungen, die sie später in ihr literarisches Werk einfließen ließ. 1841 lernte Thekla den Lyriker Franz von Schober, ihren späteren Ehemann, kennen. Der Dichter erkannte Theklas Talent und ermutigte sie zum Schreiben. Zwei Jahre später veröffentlichte Thekla von Gumpert ihr erstes Buch für Kinder "Der kleine Vater und das Enkelkind". Weitere Kindererzählungen folgten.

Nachdem ihre Jugendfreundin Fürstin Wanda Czartoryski (geb. Radziwill) 1845 starb, übernahm Thekla von Gumpert die Erziehung ihrer Kinder. Sie verbrachte eine schöne Zeit mit der Familie in Berlin und in Dresden. Als der Fürst Czartoryski wieder heiratete, widmete sie sich nun ausschließlich ihrer schriftstellerischen Arbeit. gumpert 1 web

Thekla von Gumperts pädagogische Ansichten wurden vor allem von der Arbeit des bekannten Pädagogen Friedrich Fröbel beeinflusst. Sie lernte den Begründer des Kindergartenkonzeptes 1846 kennen. Als in Preußen zwischen 1851 und 1860 Kindergärten verboten wurden, verteidigte sie die pädagogischen Ansichten Fröbels, die sich von der strengen preußischen Erziehung unterschieden.

Thekla von Gumpert unternahm während ihres Wirkens verschiedene Fortbildungsreisen. 1851 besuchte sie die "Lumpenschulen" (sog. "ragged schools" für besonders arme Kinder) in London. Es folgten weitere Besuche u. a. in der Diakonissenanstalt in Kaiserswerth. 1856 heiratete sie im Alter von 46 Jahren den 60-jährigen Franz von Schober. Dennoch publizierte sie weiter unter dem Namen von Gumpert. Nach acht Jahren Ehe lebte das Paar getrennt.

Thekla von Gumpert feierte als Kinderbuchautorin große Erfolge. 1895 wurde ihr von der deutschen Kaiserin Auguste Victoria die silberne Verdienstbrosche am weißen Band verliehen. Zwei Jahre später, am 2. April 1897, starb Thekla von Gumpert in Dresden und wurde im Familiengrab eines Verwandten beigesetzt.

Die „Wlecke Rechenmaschine“

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Geschrieben von Chromik
02. Juli 2018
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Spätestens ab der achten Klasse besitzt heute jedes Kind einen Taschenrechner, mit dem es auch komplexe Aufgaben in Sekundenschnelle bewältigen kann. Vor Etablierung des Geräts setzte man noch auf Rechenschieber, kompliziertes schriftliches Lösen – oder aber die „Wlecke Rechenmaschine".

Bei dieser handelt es sich um eine Gütersloher Erfindung, die sich Lehrer Wilhelm Wlecke 1919 patentieren ließ. Sie besteht aus einem Holzkasten mit zwei Reihen von jeweils zehn Blechfingern, die einzeln umklappbar sind. Beim Unterricht platzierte man den Apparat auf dem Pult und stellte der ganzen Klasse sichtbare Aufgaben.

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Wlecke entwickelte den Mechanismus, als er sich zunehmend an leistungsschwachen Kindern störte, die die Klasse beim Lernen bremsten. Er suchte nach einem Mittel, ihnen die Grundlagen der Mathematik und das Einsetzen der eigenen Finger beim Rechnen zu erklären. Dabei war er davon überzeugt, dass die Visualisierung der Aufgaben eine wichtige Rolle spiele: „Je deutlicher die Anschauung, desto sicherer und anhaltender arbeitet das Gedächtnis", behauptete er 1929 in seinem pädagogischen Konzept „Die Finger als Fundament des ganzen Zahlenbaus".

Wenngleich für kurze Zeit in vielen Klassenzimmern eingesetzt, blieb der langfriste Erfolg aus. 1930 wurde die Produktion eingestellt, Restbestände kann man heute nur noch in Museen bewundern.

Weitere Beiträge...

  1. "Jungvolk auf Fahrt"

Kommende Veranstaltungen

am Samstag, dem 23. Februar 2019, 14:30 - 16:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

am Montag, dem 25. Februar 2019, 18:00 Uhr
Ort: Stiftung Haus Oberschlesien

Ostermarkt mit Ausstellungseröffnung
am Sonntag, dem 17. März 2019, 11:00 - 18:00 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum


Kontakt

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Oberschlesisches Landesmuseum
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40883 Ratingen (Hösel)

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+49(0)2102-9650

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