Peitsche

Drucken E-Mail
Geschrieben von Wahlsdorf
28. August 2018
Zugriffe: 136

peitsche kl"Immer schön Bitte und Danke sagen". Mütter, Väter, Großväter oder Großmütter sagen diesen Satz häufig zu ihren Kindern. Sie legen Wert auf die richtige Körperhaltung oder die Bereitschaft, Menschen zu helfen. Es wird versucht ihnen Werte zu vermitteln und sie auf das Erwachsenenleben vorzubereiten.

Seit dem 19. Jahrhundert wurden Kinder immer mehr als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen und dementsprechend mehr Wert auf die Erziehung gelegt. Allerdings waren die Rollen früher strenger aufgeteilt. Meistens waren die Mutter, die große Schwester oder die Großmutter für die Erziehung der Kinder zuständig. Der Vater hingegen war für den Unterhalt der Familie verantwortlich und hatte am Ende des Tages das letzte Wort. Auf der anderen Seite halfen die Töchter der Mutter beim Kochen, Putzen und eben bei der Erziehung der Geschwister. Die Söhne halfen häufig schon früh dem Vater, wurden bei der Feldarbeit eingesetzt oder mussten sogar zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, indem sie bspw. in Bergwerken arbeiteten.
Gehorchte das Kind und half im Haushalt mit, so wurde es gelobt und vielleicht sogar mit einem Groschen belohnt, der besonders gerne für Süßigkeiten ausgegeben wurde. Hat sich das Kind aber falsch benommen, so wurde es bestraft oder sogar körperlich gezüchtigt. Dies beschränkte sich nicht nur auf das häusliche Umfeld. Auch in der Schule wurden die Kinder bei Fehlverhalten z.B. mit einem Rohrstock, geschlagen.

Solche Peitschen, wie hier abgebildet, wurden häufig genutzt, um Kinder zu schlagen. Die Peitsche besteht aus einem Holzstiel und mehreren Riemen, die möglicherweise aus Restlederabfällen hergestellt wurden. Sie sollte Zucht und Ordnung symbolisieren und wurde immer dann eingesetzt, wenn sich das Kind falsch verhielt oder den Eltern nicht gehorchte. Oft hing sie in der Küche und diente bereits als Warnung. Mit der Peitsche wurde meistens auf das Gesäß des Kindes geschlagen. Die körperliche Züchtigung der Kinder hinterließ nicht nur körperliche Verletzungen. Auch heute leiden noch einige Erwachsene unter dieser schmerzhaften Vergangenheit. Heutzutage würde etwa in Polen oder Deutschland so ein Verhalten der Eltern strafrechtliche Folgen haben, da es verboten ist, Gewalt auf das eigene Kind auszuüben.

Kindererzählungen von Thekla von Gumpert

Drucken E-Mail
Geschrieben von Wahlsdorf
15. August 2018
Zugriffe: 161

gumpert 5 webThekla von Gumpert war eine der meistgelesenen Kinderbuchautorinnen ihrer Zeit. Mit ihrem bekanntesten Werk, dem jährlich erscheinenden „Töchteralbum", prägte sie die Mädchenliteratur. Generationen von Kindern und Jugendlichen wurden durch die moralischen Vorstellungen in ihren Büchern beeinflusst.

Thekla von Gumpert wurde am 28. Juni 1810 in Kalisch (poln. Kalicz) als drittes von fünf Kindern geboren. Ihr Vater, Christian Gottlieb von Gumpert, war ein wohlsituierter Kreisarzt, Theklas Mutter Henriette stammte aus der Rittergutsbesitzer-Familie von Eckartsberg und Weißtrupp. 1815 zog die Familie in das Großherzogtum Posen um, da Theklas Vater hier die Stelle des Regierungsmedizinalrates erhielt. Sein Tod im Jahr 1832 bedeutete für die ganze Familie den sozialen Abstieg. Ihr neues Zuhause fand die Familie bei ihrem Verwandten, dem Baron von Seydlitz und Kurtzbach. Thekla unterrichtete die Kinder der Familie. In diesen Jahren sammelte sie wertvolle pädagogische Erfahrungen, die sie später in ihr literarisches Werk einfließen ließ. 1841 lernte Thekla den Lyriker Franz von Schober, ihren späteren Ehemann, kennen. Der Dichter erkannte Theklas Talent und ermutigte sie zum Schreiben. Zwei Jahre später veröffentlichte Thekla von Gumpert ihr erstes Buch für Kinder "Der kleine Vater und das Enkelkind". Weitere Kindererzählungen folgten.

Nachdem ihre Jugendfreundin Fürstin Wanda Czartoryski (geb. Radziwill) 1845 starb, übernahm Thekla von Gumpert die Erziehung ihrer Kinder. Sie verbrachte eine schöne Zeit mit der Familie in Berlin und in Dresden. Als der Fürst Czartoryski wieder heiratete, widmete sie sich nun ausschließlich ihrer schriftstellerischen Arbeit. gumpert 1 web

Thekla von Gumperts pädagogische Ansichten wurden vor allem von der Arbeit des bekannten Pädagogen Friedrich Fröbel beeinflusst. Sie lernte den Begründer des Kindergartenkonzeptes 1846 kennen. Als in Preußen zwischen 1851 und 1860 Kindergärten verboten wurden, verteidigte sie die pädagogischen Ansichten Fröbels, die sich von der strengen preußischen Erziehung unterschieden.

Thekla von Gumpert unternahm während ihres Wirkens verschiedene Fortbildungsreisen. 1851 besuchte sie die "Lumpenschulen" (sog. "ragged schools" für besonders arme Kinder) in London. Es folgten weitere Besuche u. a. in der Diakonissenanstalt in Kaiserswerth. 1856 heiratete sie im Alter von 46 Jahren den 60-jährigen Franz von Schober. Dennoch publizierte sie weiter unter dem Namen von Gumpert. Nach acht Jahren Ehe lebte das Paar getrennt.

Thekla von Gumpert feierte als Kinderbuchautorin große Erfolge. 1895 wurde ihr von der deutschen Kaiserin Auguste Victoria die silberne Verdienstbrosche am weißen Band verliehen. Zwei Jahre später, am 2. April 1897, starb Thekla von Gumpert in Dresden und wurde im Familiengrab eines Verwandten beigesetzt.

Die „Wlecke Rechenmaschine“

Drucken E-Mail
Geschrieben von Chromik
02. Juli 2018
Zugriffe: 363

Spätestens ab der achten Klasse besitzt heute jedes Kind einen Taschenrechner, mit dem es auch komplexe Aufgaben in Sekundenschnelle bewältigen kann. Vor Etablierung des Geräts setzte man noch auf Rechenschieber, kompliziertes schriftliches Lösen – oder aber die „Wlecke Rechenmaschine".

Bei dieser handelt es sich um eine Gütersloher Erfindung, die sich Lehrer Wilhelm Wlecke 1919 patentieren ließ. Sie besteht aus einem Holzkasten mit zwei Reihen von jeweils zehn Blechfingern, die einzeln umklappbar sind. Beim Unterricht platzierte man den Apparat auf dem Pult und stellte der ganzen Klasse sichtbare Aufgaben.

kopie Medium

Wlecke entwickelte den Mechanismus, als er sich zunehmend an leistungsschwachen Kindern störte, die die Klasse beim Lernen bremsten. Er suchte nach einem Mittel, ihnen die Grundlagen der Mathematik und das Einsetzen der eigenen Finger beim Rechnen zu erklären. Dabei war er davon überzeugt, dass die Visualisierung der Aufgaben eine wichtige Rolle spiele: „Je deutlicher die Anschauung, desto sicherer und anhaltender arbeitet das Gedächtnis", behauptete er 1929 in seinem pädagogischen Konzept „Die Finger als Fundament des ganzen Zahlenbaus".

Wenngleich für kurze Zeit in vielen Klassenzimmern eingesetzt, blieb der langfriste Erfolg aus. 1930 wurde die Produktion eingestellt, Restbestände kann man heute nur noch in Museen bewundern.

"Jungvolk auf Fahrt"

Drucken E-Mail
Geschrieben von Wahlsdorf
21. Juni 2018
Zugriffe: 395

aral-2055webUm die Begeisterung von Kindern für Vaterland und Militär zu entfachen, gab es zahlreiche Propagandaprodukte, die mit Beginn des Ersten Weltkriegs eine besonders hohe Verbreitung fanden. Vom Matrosenanzug, der den hohen Stellenwert der Marine in der Kaiserzeit zeigt, über Kinderliteratur, die Kriegsereignisse durch eine verniedlichende Darstellung verharmlosen, bis hin zu Kriegsspielzeugen. Kriegsspielzeuge gab es in alle Variationen – das Spektrum reicht von kleinen Uniformen, Degen und Kinderhelmen bis hin zu Spielzeugen wie Panzer, Kriegsschiffe oder Zinnsoldaten. Solche Spielzeuge konnten sich nur Kinder aus wohlhabenden Familien leisten. Kinder aus ärmeren Familien griffen auf selbst gebasteltes Kriegsspielzeug wie Helme aus Papier oder Gewehre aus Holz zurück.


Auch im Nationalsozialismus wurde auf die vaterlandstreue Prägung der Kinder besonderen Wert gelegt. Schon die Kleinsten sollten durch Kriegsspielzeuge und Kinderliteratur auf den Krieg vorbereitet werden. Ältere Kinder wurden in Kinder- und Jugendorganisationen beeinflusst. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Kriegsspielzeuge weggeworfen oder in Kartons verbannt. Spielzeuge von britischen oder amerikanischen Truppen im Westen oder patriotisches Spielzeug aus der Sowjetunion für den Osten waren gemäß der politischen Situation jetzt in Mode. dsc 0023bweb

Das hier gezeigte Strategiespiel „Jungvolk auf Fahrt“ von der Firma Hausser gehört der Stiftung des Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus (1935-1945). Der Titel des Spiels „Jungvolk“ bezeichnet die 10 bis 14 Jahre alten Kinder der Hitlerjugend. Die Schachtel sowie der Spielplan zeigen einen Jungen bei verschiedenen Aktivitäten. Das Spiel ist beendet, wenn einer der sechs Parteien das Ziel durch Würfeln erreicht hat.

Zinnsoldaten: Ruhr Museum
"Jungvolk auf Fahrt": Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Puppenhaus

Drucken E-Mail
Geschrieben von Wahlsdorf
13. Juni 2018
Zugriffe: 386

puppenhaus webEines der Highlights unserer kommenden Ausstellung „Schaukelpferd und Zinnsoldaten. Kindheit und Jugend in Schlesien“ ist sicherlich das große Puppenhaus aus Königshütte. Puppenhäuser oder auch Puppenstuben, wie sie früher genannt wurden, sind Miniaturdarstellungen von Häusern.
Schon in der Antike gab es verkleinerte Darstellungen von Häusern, die entweder aus Ton, Bronze, Zinn oder Silber hergestellt wurden und verstorbenen Kindern mit ins Grab gegeben wurden. Das älteste Puppenhaus, so wie wir uns heute auch ein Puppenhaus vorstellen, stammt aus dem Jahr 1558. Der Herzog von Bayern Albrecht V. schenkte seiner Tochter ein Puppenhaus. Dieses Puppenhaus war allerdings nicht zum Spielen gedacht, sondern war ein Kunstwerk. Das Puppenhaus als Spielzeug wurde zwischen dem 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa immer beliebter. Dabei war das Puppenhaus nicht nur ein Spielzeug, sondern verfolgte auch pädagogische Ziele. In den gut ausgestatteten Puppenküchen, Wohnzimmern oder auch Kinderzimmern sollen die kleinen Puppenmütter mit ihrer zukünftigen Rolle als Hausfrau und Mutter vertraut gemacht werden.
Auch wenn schon einige Handwerker im 19. Jahrhundert u. a. in Deutschland, England oder Frankreich solche Puppenhäuser herstellten, so waren sie nur für die wenigsten Kinder bzw. Familien erschwinglich. Für ein Puppenhaus war die Zusammenarbeit von verschiedenen Handwerkern notwendig und dementsprechend war das Puppenhaus auch teuer. Tischler fertigten die kleinen Möbel an, Schneiderinnen die Kleider, Gefäße aus Zinn wurden von Glockengießern hergestellt, Tassen sowie Schalen aus Ton von Töpfern und das Porzellanservice wurde in Porzellanfabriken gefertigt. Weniger reiche Familie konnten sich ein Puppenhaus nur leisten, wenn ein Elternteil handwerklich talentiert war und sie die Zeit hatten in mühsamer Arbeit ein Puppenhaus zusammenzustellen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts fing die Massenproduktion von Puppenmöbeln und –häusern an, sodass Kinder und Familien aus unterschiedlichen, gesellschaftlichen Schichten sich solche Spielzeuge leisten konnten.
Das hier gezeigte Puppenhaus entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde uns von dem Schlesischen Museum Kattowitz zur Verfügung gestellt. Es gehörte einer evangelischen Familie in Königshütte. Das Besondere an dem Puppenhaus aus Holz ist, dass sich eine Seite öffnen lässt, sodass zwei Zimmer zum Vorschein kommen.

Foto: Schlesisches Museum Kattowitz

https://muzeumslaskie.pl/pl/work/zabawka-domek-dla-lalek-mske3389/

Weitere Beiträge...

  1. Rassel

Kommende Veranstaltungen

Rafik Schami: "Eine Hand voller Sterne" - eine Jugend in Syrien
Veranstaltung des Kulturkreis Hösel
am Mittwoch, 26. September, um 19 Uhr
Ort: Haus Oberschlesien

Samstags im Museum
Spielzeug früher und heute
am Samstag, 29. September, von 14:30 bis 16:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Per App durchs Museum
Workshop für Jugendliche im Rahmen des Kulturrucksack NRW
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum
am Mittwoch, dem 17. und Donnerstag, dem 18. Oktober

Samstags im Museum
Am Anfang war der Stein
am Samstag, 27. Oktober, von 14:30 bis 16:30 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Herbstmarkt mit Ausstellungseröffnung "Pfefferkuchen"
und festlicher Stunde zum 20-jährigen Bestehen
des OSLM-Neubaus
am Sonntag, 28. Oktober, von 11:00 bis 18 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Nathan (to go)
Veranstaltung des Kulturkreis Hösel
am Mittwoch, 29. /30. Oktober,  um 19 Uhr
Ort: Haus Oberschlesien

Öffentliche Sonntagsführung
durch die Sonderausstellung "Schaukelpferd und Zinnsoldaten"
am Sonntag, 18. November, um 15 Uhr
Ort: Oberschlesisches Landesmuseum

Schlesische Kindheiten in Literatur und Wirklichkeit
Bilder-Vortrag von Dr. habil. Jürgen Nelles (Universität Bonn)
Dazu Sonderführungen, Kaffee und Kuchen
Ein Angebot des Kulturreferenten für Oberschlesien in Zusammenarbeit mit dem OSLM
am Sonntag, 25. November, 11:00 bis 18:00 Uhr
Ort: Haus Oberschlesien

Kontakt

Anschrift:
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstraße 62
40883 Ratingen (Hösel)

Telefon:
+49(0)2102-9650

Email:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!