
Das seit 1983 bestehende Oberschlesische Landesmuseum ist ein kulturgeschichtliches Museum. Es hat die Aufgabe, das dingliche Kulturgut Oberschlesiens zu sammeln, zu bewahren, auszuwerten und auszustellen, um der gesamten Öffentlichkeit ein Bild von der Geschichte und Kultur dieser Region zu vermitteln und zusätzlich über das heutige Oberschlesien zu informieren. Das Museum arbeitet dabei im Geist der Völkerverständigung und der guten deutsch-polnischen Nachbarschaft. Es wird vom Land Nordrhein-Westfalen, seit 1964 Patenland für die Oberschlesier, gefördert. Träger ist die 1970 gegründete Stiftung Haus Oberschlesien, eine Stiftung privaten Rechts. Schwerpunktmäßig befasst sich das Museum mit den schlesischen Landesteilen an der oberen Oder, dem von Bergbau und Schwerindustrie bestimmten Industrierevier sowie mit den angrenzenden Gebieten bis hin zum Altvatergebirge und den Beskiden.
Seit Juli 1998 präsentiert sich das Oberschlesische Landesmuseum in einem von dem Kölner Architekten W. von Lom & Partner entworfenen Neubau. Das Gebäude besteht aus drei Kuben, aus einem massiven Betonblock zur Straße hin und aus zwei größeren leichteren Stahl-Glas-Kuben, die sich durchdringen. Alle drei Würfel treffen sich im zentralen Treppenhaus, das durch eine Wendeltreppe erschlossen wird. Aus diesem Grundriss wurde das Logo des Museums entwickelt.
Das auch für Behinderte gut zugängliche Museum hat drei Stockwerke und eine Ausstellungsfläche von insgesamt ca. 1.600 qm. Die drei Stockwerke sind zum Treppenhaus hin offen. Sie haben auch keine Binnengliederung; diese muss jeweils für Ausstellungszwecke eingerichtet werden. So ergibt sich die Möglichkeit von Einblicken in die Stockwerke hinein und durch die Stockwerke hindurch, besonders von der Wendeltreppe aus. Es entsteht der Eindruck von Helligkeit und Offenheit. Dieser Eindruck ist gewollt, denn Offenheit, Transparenz und das helle Licht historischer Aufklärung prägen die Museumsarbeit.
Den Besucher empfängt ein großzügiges Foyer mit Rezeption, vielfältigem Informationsmaterial und einer kleinen Sitzgruppe zum Verweilen. Ein übersichtliches Wegeleitsystem erschließt ihm das Gebäude: Auf gleicher Ebene öffnet sich im Erdgeschoss der Raum für Wechselausstellungen mit einer Ausstellungsfläche von ca. 550 qm. Er lässt sich durch Stellwände unterteilen und hat sich bei unterschiedlichen Typen von Ausstellungen bisher sehr bewährt. Allerdings stellt der Raum – ohne feste Binnengrenzen, mit beim Durchschreiten wechselnden Perspektiven und mit seiner Offenheit zum Treppenhaus hin – an Konzeption und Gestaltung der jeweiligen Ausstellung hohe Ansprüche. Beim Hinaufgehen öffnen sich dem Besucher reizvolle Blicke in den Wechselausstellungsbereich.
Im Obergeschoss hat auf ca. 875 qm die Dauerausstellung Platz gefunden. Sie gewährt einen Überblick über die Kultur und Geschichte Oberschlesiens mit den drei Hauptthemen „Oberschlesien vor der Industrialisierung”, „Oberschlesien und die Industrie” sowie „Oberschlesien in der Politik des 20.–Jahrhunderts”. Gezeigt werden u.a. kostbares Silber, Fayencen, Eisenkunstguss, Textitlien, Modelle, Orts- und Industrieansichten sowie Karten und historische Dokumente.
Neben den landeskundlichen Bereichen ist der literarische Bereich hervorzuheben. Dort wird das Leben und Werk des bedeutenden Dichters der Romantik, Joseph von Eichendorff (1788 – 1857), gewürdigt.
Das Sockelgeschoss mit ca. 175 qm Nutzfläche bietet Platz für kleinere Wechselausstellungen und für Veranstaltungen. Dazu gehören Vorträge, Treffen von Arbeitsgruppen und die Museumspädagogik. Hier befinden sich außerdem das Depot, das auch die Bestände von Heimatstuben aufnehmen kann, eine Werkstatt und ein Raum für die Vorbereitung von Ausstellungen.
Aktiv und innovativ werden heute die Möglichkeiten grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Museen und kulturellen Einrichtungen in den schlesischen Landesteilen Polens und Tschechiens genutzt. Laufend finden gemeinsame Ausstellungsvorhaben an wechselnden Orten statt. Die Wechselausstellungen werden nach Möglichkeit von zweisprachigen Katalogen begleitet. Themenschwerpunkte sind hier: „Kultur und Geschichte Oberschlesiens”, „Ost-West-Beziehungen”, „vergleichende Geschichte der Industrie”, „historische und aktuelle Kunst in und aus Oberschlesien” und – mit zunehmender Bedeutung – Probleme des heutigen Oberschlesien sowie Ausstellungen zu Themen der hiesigen Region. Das Oberschlesische Landesmuseum begleitet als gerne übernommene zusätzliche Aufgabe kulturell die von staatlichen und privaten Initiativen aus Nordrhein-Westfalen unterstützte Umstrukturierung des oberschlesischen Industriegebietes. Die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Wojewodschaft Schlesien bietet hierfür seit dem 1. September 2000 den offiziellen Rahmen. Der Beitrag des Oberschlesischen Landesmuseums sind Ausstellungen, Informationsveranstaltungen und die Vermittlung von Kontakten. Es ist bestrebt, aus eigener Perspektive und eigener Kompetenz einen Beitrag zum viel diskutierten Thema der „erzwungenen Migration” zu leisten.
Das Museum bietet Vorträge, Führungen und museumspädagogische Programme an. Kinder und Jugendliche sowie Schulklassen können an Aktionsnachmittagen teilnehmen. Hinzu kommen die Betreuung des Arbeitskreises der Oberschlesischen Ortschronisten sowie Veranstaltungen Dritter.



